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Geld der Zukunft: Was die Blockchain alles kann

Die Digitalisierung durchdringt unser Leben und auch die Art, wie wir unser Geld ausgeben. Blockchain spielt dabei eine wesentliche Rolle, die meist mit Kryptowährungen assoziiert wird. Doch die Technologie kann mehr.

Das heurige EDUARD-Camp konfrontierte 114 Jugendliche mit der Frage: Wie wird die Zukunft des Geldes aussehen? Blockchain, so viel steht fest, wird dabei eine Rolle spielen. Fünf zentrale Fragen und Antworten zu einer komplexen Technologie.

1 Was bringt die Zukunft für den Zahlungsverkehr?

„In zehn Jahren wird es kein Bargeld mehr geben. Und keine Banken“, sagt Alexander Ramseier. Der Digitalisierungsberater und gebürtige Schweizer gab den Jugendlichen – gemeinsam mit Partnerin Sonja Ledinksy – beim Workshop „Bargeldlos durch die Nacht“ recht persönliche Einblicke in seinen Zugang zum Thema Anlage und Zahlungsverkehr.

Tatsache ist, dass die immer schneller voranschreitende Digitalisierung auch die Art unserer Zahlungsmethoden verändert hat. Schon jetzt regeln wir unsere Finanzen durch einen Mix aus Bargeld, E-Banking und Kreditkarten. Dabei stellt sich allerdings auch zunehmend die Frage, ob uns unsere Bequemlichkeit mehr wert ist als unsere Anonymität. Denn: Der digitale Zahlungsverkehr geht auch mit einer größeren Abhängigkeit von Technik und fehlender Datensicherheit einher.

Doch gibt es Technologien, die versprechen, diese Risken zu minimieren: Die Vision von Technologien wie jener der Blockchain ist, bargeldloses Zahlen zu demokratisieren und sicherer zu gestalten, indem sie ein neues System der Datenverwaltung einführen.

2 Wie funktioniert die Technologie genau?

Eine Blockchain ist eine Art Netzwerk, dem jeder beitreten kann. Auf dieses System hat jedes Mitglied gleichwertigen Zugriff. Die Blockchain ist für die Speicherung von (mitunter sensiblen) Daten gut geeignet, da sie dort verschlüsselt werden und nachträglich nicht verändert werden können. Neue Informationen müssen alle Teilhaber am Netzwerk verifizieren. Dadurch ist es viel schwerer, Daten unautorisiert zu manipulieren. Ramseier und Ledinsky feiern die Blockchain deshalb als „Demokratisierung“, da so „nicht länger die Banken entscheiden“, sondern das Netzwerk.

3 Wo wird Blockchain abseits von Kryptowährungen eingesetzt?

Mit der Technologie assoziiert werden oft Kryptowährungen wie Bitcoin, die jedoch nur ein Teil der potenziellen Anwendungsbereiche sind.

Wegen ihrer Sicherheit ist sie beispielsweise auch für die Speicherung von Krankenakten geeignet. Zudem gibt es Überlegungen, sie im Bereich der E-Governance zu verwenden. Auch in der Logistik (um unter anderem die Herkunft von Lebensmitteln nachvollziehbar zu machen) besteht reichlich Potenzial für ihre Implementierung. „Aquarius“, eine mobile, solarbetriebene Wasseraufbereitung, die Ramseier und Ledinsky in Kooperation mit einer deutschen Firma in Afrika entwickelten, zeigt, wie: In der Wasseraufbereitung bietet Blockchain die Chance, die Sauberkeit von Wasser zu garantieren, und kann damit finanzielle Ressourcen zugunsten von Entwicklungsprojekten umverteilen.

4 Was bedeutet Blockchain für den globalen CO2-Ausstoß?

Eine wichtige Frage in dem Zusammenhang ist der ökologische Fußabdruck. „Das wird ohne Zweifel ein Problem werden“, räumt Ramseier ein. Denn ein Mehr an digitalen Datennetzwerken bedeutet auch einen höheren Energiebedarf. So wird dadurch auch der Stromverbrauch steigen und in weiterer Folge auch die CO2-Emissionen. Ramseier aber betont, dass die Blockchain es ermöglicht, bereits vorhandene Infrastruktur (Rechner, Server etc.) um ein Vielfaches effizienter zu nutzen.

5 Wo befinden sich die Hotspots der Technologie?

Ausgerechnet in jenem Land, dessen ökonomische Erfolgsgeschichte untrennbar mit dem Bankensektor verknüpft ist, entsteht derzeit ein „Crypto Valley“: Zug und Zürich seien die globalen Blockchain-Hotspots, sagt Ramseier. Die Schweiz verabschiedete – dem Berater zufolge als bisher einziges Land der Welt – ein eigenes Gesetz: Das „Bundesgesetz zur Anpassung des Bundesrechts an Entwicklungen der Technik verteilter elektronischer Register“ zeigt, dass sich die Alpenrepublik auch künftig als Finanzplatz behaupten will.

AUF EINEN BLICK

Im Zuge des Education Awards 2019 nahmen 114 Unter- und Oberstufen-Schüler aus ganz Österreich an Workshops zum Thema Zukunft des Geldes teil. Der Blockchain wurde dabei ebenfalls reichlich Aufmerksamkeit gewidmet. Als Blockchain bezeichnet man ein öffentliches Netzwerk, in dem Informationen in „Blöcken“ gespeichert und durch einen generierten Schlüssel gesichert werden. Bei jedem Teilhaber am System wird eine digitale Kopie der Blockchain erzeugt, um Änderungen zu verifizieren. Es gilt daher als transparentes und sicheres Verfahren, das man meist mit Kryptowährungen assoziiert. Andere Anwendungsbereiche liegen in der Logistik, der Medizin sowie der E-Governance.

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