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Hochwasser

Hoteliers schlagen Alarm: "Nie so wenig Touristen in Venedig"

View of the Palazzo Ducale in San Marco´s Square in Venice
Nur wenige Touristen sind derzeit in Venedig unterwegs.(c) REUTERS (Manuel Silvestri)
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Nach dem Hochwasser bleiben die Besucher auch zu Weihnachten und Silvester der Lagunenstadt fern. 40 Prozent der Buchungen wurden storniert.

Nach dem Hochwasser, das im November in Venedig schwere Schäden verursacht hat, ist die Lagunenstadt mit einem starken Touristenrückgang konfrontiert. In den letzten beiden Novemberwochen und Anfang Dezember wurden circa 40 Prozent der gebuchten Aufenthalte in den rund 300 im Stadtkern befindlichen Hotels und diversen Ferienwohnungen storniert.

Touristiker beklagen auch die geringen Reservierungszahlen für die Weihnachts- und Neujahrszeit. "Es ist eine Katastrophe. Touristen wissen nicht, wie Hochwasser in Venedig funktioniert. Sie denken, dass die Stadt jedes Mal untergeht", sagte der Direktor des Verbands der venezianischen Hoteliers AVA, Claudio Scarpa, nach Medienangaben. Am Freitag sollen bei einer Pressekonferenz in Rom genaue Zahlen zum Rückgang der Touristen veröffentlicht werden.

Auch Rückgang österreichischer Touristen

Der Chef des Hotelierverbands von Venedig, Vittorio Bonacini, beklagt einen starken Rückgang österreichischer Touristen in der Lagunenstadt. "Seit der Flutwelle haben Touristen viele bereits gebuchte Aufenthalte in unseren Hotels abgesagt. Viele Stornierungen kamen leider auch aus Österreich", so Bonacini.

Auch für den Karneval würden die Buchungen noch klar unter den Erwartungen liegen. Vor allem Touristen aus den USA hätten nach dem Hochwasser auf ihre Aufenthalte verzichtet. "Die negativen Auswirkungen betreffen auch die Reservierungen für das Frühjahr", beklagte Bonacini. Dabei habe die Stadt in wenigen Stunden die Schäden der außerordentlichen Flutwelle behoben. "Zwölf Stunden nach dem Hochwasser waren Hotels, Geschäfte und Restaurants zum Großteil wieder offen", meinte der Präsident der Hoteliervereinigung AVA.

Die von Massentourismus schwer belastete Lagunenstadt muss jetzt um ihre Besucher bangen. "Wir befürchten einen Rückgang der in Venedig übernachtenden Touristen. Diese sind lediglich 30 Prozent aller Besucher, die generieren jedoch 70 Prozent des Tourismusumsatzes", erklärte der AVA-Präsident. Aus Österreich wurden zuletzt 214.661 Nächtigungen pro Jahr verzeichnet, das entspricht zwei Prozent aller Nächtigungen,

20 Prozent weniger Flugpassagiere

"Die Stadt, die einst vor Touristen explodierte, muss ihnen jetzt nachjagen", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". Der venezianische Flughafen "Marco Polo" meldete im letzten Monat einen 20-prozentigen Passagierrückgang. Um Ausländer nach Venedig zu locken, veröffentlichten die Hoteliers ein Video in diversen sozialen Netzwerken, in dem sie von der Rückkehr zum Alltag in Venedig berichten.

"Ich habe nie so wenig Touristen in Venedig gesehen. Wir haben zwar dramatische Tage erlebt, doch haben wir uns alle mittlerweile erholt", sagte Claudio Vernier, Präsident des Verbands der Shopinhaber rund um den Markusplatz. Die Gefahr sei, dass vor allem kleinere Shops unter dem Touristenrückgang leiden.

FILE PHOTO: People walk through a flooded street during a period of seasonal high water in Venice
Hochwasser in Venedig(c) REUTERS (Manuel Silvestri)

Auch Arrigo Cipriani, Inhaber der bekannten "Harry ́s Bar" unweit des Markusplatzes, ist besorgt. "Die letzte Flutwelle war außerordentlich, doch hat es immer schon Hochwasser in Venedig gegeben. Unser Lokal war zwar überschwemmt, geschlossen hatten wir aber nie. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass Venedig weiteren Flutwellen Stand halten wird und die Touristen zurückkehren werden", sagte Cipriani.

Am 12. November stieg kurz vor Mitternacht das durch starken Wind angetriebene Wasser in Venedig auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel. Das war der höchste Stand seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht worden waren. Das Hochwasser verursachte Schäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

 

(APA)