Eine aktuelle Studie zeigt, dass jeder Dritte die Mindestsicherung nicht abholt. Einer der Gründe: soziale Scham.

Was heißt da „soziale Treffsicherheit“? Von Menschen, die am Limit leben

Maßnahmen, die nur auf die Armen zielen, neigen dazu, armselige Maßnahmen zu werden. In der Bedürftigkeitsfalle verlieren Sozialprogramme schnell an Qualität. Begegnungen und Fakten.

„Meine Mutter mag keine Trinkpäckchen.“ Undine Zimmer erzählt von ihrer Kindheit, aufgewachsen in einer Berliner Hartz-IV-Familie. „Weil Trinkpäckchen arme Mütter demütigen können“, so sagte ihre Mama. „Wenn eine befreundete Mutter die kleinen Dinger aus ihrer Tasche holte, um sie ihren Kindern und vielleicht auch mir anzubieten, dann bekam meine Mutter vorgeführt, dass sie solche Sachen nicht kaufen konnte, die Kindern so viel Spaß machen.“ Arm sein bedeute, sich durch dieses überfüllige Warenangebot hindurchschwitzen zu müssen, wenn man einfach nur etwas einkaufen gehen wolle, berichtet Undine Zimmer. „Die Menschen glauben dank Supernanny, das Leben am Existenzminimum zu kennen – und haben doch keine Ahnung. So wie der Entwicklungshelfer nur zu Gast in der Dritten Welt ist, so haben auch sie das Rückfahrtticket immer in der Tasche.“