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„Auch eine Geschichte der Philosophie“

1700 Seiten Jürgen Habermas: Von der Kritik des reinen Wissens

APA/HERBERT NEUBAUER
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In zwei Bänden rekonstruiert Jürgen Habermas die Debatten über das Verhältnis von Religion und Vernunft.

Im Juni feierte Jürgen Habermas seinen 90. Geburtstag und legt mit „Auch eine Geschichte der Philosophie“ ein weiteres Meisterwerk vor. Der Titel ist eine Anspielung auf Herders „Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit“ (1774). In zwei Bänden rekonstruiert Habermas die Debatten über Glauben und Wissen, über Religion und Vernunft seit der „Achsenzeit“, als die mythischen Weltbilder von verschiedenen Seiten im Namen des „Logos“ infrage gestellt wurden. Habermas möchte die Entstehung und Legitimität des „nachmetaphysischen Denkens“ untersuchen. Die Studie soll dabei helfen, im Sinne der Aufklärung und eines nicht reduktionistischen Begriffes von Philosophie „zur rationalen Klärung unseres Selbst- und Weltverständnisses beizutragen“ und „vernünftige Freiheit“ zu ermöglichen.

Habermas, einst „Vorzeigedenker“ der Linken, stellt ein verkürztes und naives säkularistisches Selbstverständnis infrage, das in etwa so zusammengefasst werden kann: „Wer so wie ich vernünftig ist, muss Religion und Glauben abschaffen und der Wissenschaft und Aufklärung gegen die Mächte der Gewalt, der Unterdrückung und des Bösen zum Sieg verhelfen.“ Habermas zeigt demgegenüber, dass seit der Achsenzeit keine philosophische Position beanspruchen kann, die Vernunft für sich gepachtet zu haben. Spuren des Vernünftigen findet er im Gerechtigkeitsdenken der jüdischen Theologie, bei Buddha oder in der christlichen Liebesethik. Habermas' eigenes Programm kann hier mit seinen Worten über Kants Philosophie zusammengefasst werden: die Religionskritik „mit der Aneignung der in philosophischer Übersetzung vernünftigen Gehalte der religiösen Überlieferung zu verbinden“.