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Kurzzeitwohnen

Einzug mit Zahnbürste und Pyjama

Ausstattung und Kosten liegen zwischen Mietwohnung und Hotelzimmer.
Ausstattung und Kosten liegen zwischen Mietwohnung und Hotelzimmer.(c) Getty Images/iStockphoto (runna10)

Die einstige Nische wird immer nachgefragter. Was die kleinen Apartments können – und können sollten.

„Unterkünfte mit hohem Standard abseits von teuren Hotels zu finden, in denen beispielsweise Teilnehmer eines Großevents für vier oder fünf Wochen wohnen können, war noch vor einigen Jahren kein leichtes Unterfangen“, sagt Sandra Bauernfeind, Geschäftsführerin des Wiener Immobiliendienstleisters EHL. Mittlerweile aber haben sich die sogenannten Kurzzeit-Apartments, die man für wenige Wochen oder Monate mieten kann, vom gesuchten Nischenprodukt zum Trend-Asset in der Immobilienbranche gewandelt, pflichtet Andreas Chochola bei. Er ist Vertriebsleiter beim Österreichischen Siedlungswerk (ÖSW), das unter der Marke Room4rent über rund 600 solche Apartments an fünf Standorten in Wien verfügt.

Das Besondere: Kurzzeit-Apartments sind nicht nur ein vorübergehendes Daheim für wenige Wochen oder Monate, sondern werden in der Regel auch voll möbliert übergeben. „Man bekommt den Schlüssel und kann praktisch mit Unterhose und Zahnbürste einziehen“, verweist Chochola auf den geringen bürokratischen Aufwand. Das hat natürlich seinen Preis: Mini-Apartments mit knapp 30 Quadratmetern gibt es in Wien ab rund 700 Euro pro Monat, 60 Quadratmeter können mehr als 2000 Euro kosten. Zusatzleistungen wie der Gebrauch von Bettwäsche und Geschirr, die regelmäßige Zimmerreinigung oder ein Concierge-Service kosten extra, werden aber nicht von allen Betreibern angeboten. Das alles ist zwar günstiger als ein Hotel mit vergleichbarem Standard, aber teurer als eine „normale“ Mietwohnung. Dafür braucht sich der Mieter nicht zu einer Mindestdauer zu verpflichten oder um die Einrichtung zu kümmern. Mit dem erhöhten Entgelt decken die Betreiber die durch die häufigen Mieterwechsel entstehenden Leerstände ab.

 

Zuhause auf Zeit

Dass Kurzzeit-Apartments immer gefragter werden, liege vor allem an der zunehmenden Internationalisierung großer Unternehmen, die Standorte in mehreren Ländern unterhalten und ihren Mitarbeitern viel Flexibilität abverlangen, beobachtet Hermann Klein, Geschäftsführer der IG Immobilien und damit Herr über rund 70 solcher Wohnungen in Wien. Dank der Kooperation mit weltweit tätigen Unternehmen mieten sich in seinen Häusern vorwiegend Firmenmitarbeiter vom Manager bis zum Technikspezialisten ein, die vorübergehend in Wien stationiert sind. Aber auch Botschaftsangehörige, Gastprofessoren an den Universitäten oder ausländische Künstler, die auf Engagement in Wien sind, zählen zu den Mietern. Dazu kommen gar nicht so wenige Einheimische, die aufgrund ihrer familiären Situation – etwa nach der Scheidung – eine Überbrückungsbleibe suchen, bis sie ein dauerhaftes neues Zuhause gefunden haben. Und: Zahlreiche Wohnheime für Studierende gleichen in ihren Kriterien – sowohl was die Verweildauer von wenigen Semestern als auch, was die Qualitätsansprüche betrifft – den Kurzzeit-Apartments. Während solche Apartments typischerweise ein Schlaf- und ein Wohnzimmer auf maximal 60 Quadratmetern aufweisen, beobachten die Fachleute, dass auch größere Einheiten zunehmend gefragt sind – wenn etwa ganze Familien vorübergehend nach Wien ziehen, weil ein Elternteil beruflich hier zu tun hat.

Vor allem internationale Anleger haben Kurzzeit-Apartments als Investmentprodukt erkannt.

Sandra Bauernfeind, EHL

Eine Marktsättigung ist in Wien, ebenso wie in anderen Städten, noch nicht abzusehen. Im Gegenteil: „Im urbanen Umfeld ist noch viel Potenzial vorhanden“, meint Hermann Klein. Kein Wunder, dass auch Investoren diesen lukrativen Markt entdecken. „Vor allem internationale Anleger haben Kurzzeit-Apartments als Investmentprodukt erkannt und sind nun in diesem Segment in Österreich aktiv“, weiß Sandra Bauernfeind von EHL. Auch die Betreiber sind zufrieden: Die IG Immobilien, die als einer der ersten Anbieter hierzulande bereits vor zehn Jahren Kurzzeit-Apartments zur Diversifizierung in ihr Portfolio aufgenommen hat, verweist auf eine Auslastung von rund 80 Prozent. „Das rechnet sich besser als normale Mietwohnungen“, sagt Geschäftsführer Klein. Und die Mieter? Sie schätzen insbesondere, dass ihr Zuhause sofort bezugsfertig sowie kurzfristig kündbar ist, und dass es im Gegensatz zum Hotel ein Daheim-Gefühl aufkommen lässt, wissen die Experten aus den Rückmeldungen.

Was Sie beachten sollten beim Kurzzeitwohnen

Tipp 1

Suche. Kurzzeit-Apartments werden selten über Immobilienmakler angeboten. EHL-Expertin Sandra Bauernfeind empfiehlt einen Blick ins Internet: Suchanfragen führen zu den wichtigsten Betreibern. Zudem haben sich Vermittlungsplattformen etabliert, und auf einigen etablierten Buchungsportalen werden Kurzzeit-Apartments beworben. Vorteil des maklerfreien Vertriebs: Es fällt keine Provision an.

Tipp 2

Kosten. In Wien sind Kurzzeit-Apartments ab rund 700 Euro pro Monat zu haben, Wohnungen mit mehr als 60 m2 können schon mehr als 2000 Euro monatlich kosten. Strom, Internet und die Möglichkeit, den hausinternen Fitness- und Wellnessbereich zu nutzen, sind meist inklusive, nicht so Zusatzleistungen wie die Zurverfügungstellung von Bettwäsche und Geschirr, Zimmerreinigung oder Concierge-Service.

Tipp 3

Lage. Neben dem Preis ist die Nähe zum Arbeitsplatz das wichtigste Kriterium, wenn es um die Wahl eines geeigneten Apartments geht. Auch die Verkehrsanbindung spielt eine Rolle. Die Größe ist weniger wichtig – es ist ja nur vorübergehend. In Wien befinden sich daher viele Kurzzeit-Apartments in der Innenstadt, nahe dem Hauptbahnhof sowie in Stadtentwicklungsgebieten wie der Seestadt Aspern oder am Monte Laa.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2019)