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Virtuelle Welten im Einsatz gegen Altersdemenz

Mithilfe moderner Computertechnologie wollen Grazer Forscher Demenzerkrankungen noch vor deren Ausbruch erkennen und bekämpfen.
Mithilfe moderner Computertechnologie wollen Grazer Forscher Demenzerkrankungen noch vor deren Ausbruch erkennen und bekämpfen.(c) imago images / Panthermedia (´manae´ via www.imago-images.de)
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Mithilfe moderner Computertechnologie wollen Grazer Forscher Demenzerkrankungen noch vor deren Ausbruch erkennen und bekämpfen. In einer virtuellen Simulation suchen sie nach Markern dafür.

Experten der Grazer Fachhochschule Joanneum haben der Altersdemenz mit neuartigen Methoden der Früherkennung den Kampf angesagt. „Derzeit wird die Diagnose meist erst gestellt, wenn es bereits eindeutige klinische Symptome gibt“, sagt Projektleiter Wolfgang Staubmann. „Das bedeutet auch, dass sich die Therapiestrategien weitgehend darauf beschränken, ein weiteres Verschlimmern der Erkrankung zu verhindern.“

Sein Ansatz: Wenn es möglich ist, Warnhinweise auf einen möglichen späteren Krankheitsausbruch zu erkennen, noch bevor es zu den ersten tatsächlichen Symptomen kommt, könnte man noch früher mit Präventivmaßnahmen gegensteuern. Für die Betroffenen würde dies ein Altern mit höherer Lebensqualität bedeuten. Immerhin leiden hierzulande laut österreichischem Demenzreport rund 130.000 über 60-Jährige an unterschiedlichen Formen der Demenz, die mit eingeschränktem Gedächtnis und mangelndem Denkvermögen sowie mit Störungen der Sprache und der Bewegungsfähigkeit einhergehen. Schätzungen zufolge wird sich diese Zahl in den nächsten 30 Jahren aufgrund der steigenden Lebenserwartung beinahe verdoppeln. Die häufigste Form der Demenz ist die gefürchtete Alzheimer-Krankheit, die rund zwei Drittel aller Fälle ausmacht.

 

Geruchssinn und Gehverhalten

„Es gibt sogenannte Marker, die noch keinen Krankheitswert haben und natürlich unterschiedliche Ursachen haben können, die aber auch ein möglicher Hinweis darauf sind, dass der betreffende Mensch später vielleicht an Demenz erkranken wird – vor allem, wenn solche Marker gemeinsam auftreten“, sagt Staubmann. Dazu zählt etwa, wenn ein Mensch Gerüche schlechter erkennen bzw. zuordnen kann, wenn er langsamer oder mit kürzeren Schritten geht, wenn er sein Ernährungsverhalten ändert oder auch wenn er für gewohnte Tätigkeiten des Alltags länger braucht und dabei häufiger Fehler macht.

Solche Marker wollen die Forscher mithilfe von Augmented Reality (erweiterter Wirklichkeit) aufspüren. Dabei werden den Testpersonen über einen Sehbehelf virtuelle Gegenstände in die reale Umwelt eingeblendet. Sie müssen dann unterschiedliche Aufgaben lösen. Eine solche Aufgabe besteht darin, dass die Testperson virtuelle Kugeln, die im Raum verteilt sind, durch Augenbewegungen in einer bestimmten Reihenfolge miteinander verbinden muss. Gemessen wird dabei unter anderem, wie lange der Blick auf den einzelnen Kugeln bleibt und zu wie vielen Fehlversuchen es kommt. Auch Multitasking-Aufgaben wie das Lösen von Rechenaufgaben im Gehen oder Alltagstätigkeiten wie das Herabnehmen von Gegenständen aus einem Regal bzw. das Kaffeekochen können virtuell nachgestellt werden.

Derzeit sind die Forscher noch auf Probandensuche. Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse mit den Daten von klinischen Erhebungen abgeglichen, um ihre Aussagekraft zu überprüfen.

Das mit 1,2 Millionen Euro dotierte Projekt wird vom AIT (Austrian Institute of Technology) sowie von Joanneum Research begleitet und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft finanziell unterstützt.

LEXIKON

Demenz ist eine Erkrankung, die fast ausschließlich im höheren Lebensalter auftritt und deren Ursachen nicht alle geklärt sind. Etwa jeder dritte über 85-Jährige in Österreich ist betroffen. Der mit der Erkrankung einhergehende Abbau kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten bedeutet auch für die Angehörigen eine große Belastung. Rund 80 Prozent der Patientinnen und Patienten werden von Angehörigen unentgeltlich betreut. Laut Alzheimer-Gesellschaft werden hierzulande jährlich etwa eine Milliarde Euro für die Versorgung Demenzkranker ausgegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2019)