BMW 328 Kamm Coupé

Kamm Coup
Kamm Coup(c) Hersteller
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Autos, die man nicht kaufen kann (1): Das BMW 328 Kamm Coupé sieht nur aus wie ein Oldtimer – es ist ein Neuwagen, bloß mit 70 Jahren Geschichte.

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Historie lässt sich nicht kaufen. Marken wie Kia und Hyundai und bald alles, was aus China kommt, mögen weltweit Marktanteile im Sturm erobern, aber Vergangenheit haben sie keine. Ihre junge Existenz fasziniert bestenfalls als Business-Case. Millionen Autokäufern auf der Welt ist das auch völlig gleich, wenn nur der Preis stimmt. Bei edleren Marken ist das anders,
da schwingt der Mythos vieler Jahrzehnte der Markengeschichte vornehm mit. Vor allem die Deutschen erinnern gern daran, wer das Automobil überhaupt erfunden hat (Carl Benz 1886 in Mannheim). Welches Inventar sich seither angesammelt hat, bestaunen allein im Mercedes-Museum in Stuttgart eine Million Besucher im Jahr. Try this, Hyundai!

Auch BMW schürft wie ein Goldgräber in seiner Historie. Bis hin zum Dixie von 1929 wird in München jedes bedeutende Modell in fahrbereitem Zustand gehalten. Schwierig war das beim 328 Kamm Coupé: Das Einzelstück von 1940 existiert nicht mehr. Der Rennwagen nahm am Langstreckenirrsinn Mille Miglia (auf ungesperrten Straßen Brescia–Rom und zurück, alles volle Lotte) teil, er überstand Rennen und Kriegswirren, um 1953 nach einem banalen Unfall verschrottet zu werden. Das Auto beeindruckte durch radikalen Leichtbau und Windschlüpfrigkeit, hinter der ein Aerodynamiker mit dem schönen Namen Wunibald Kamm stand. Was davon blieb: ein paar Fotos. In über zehn Jahren Projektzeit zog BMW alle Register, um aus einem Phantom ein Auto auferstehen zu lassen. In der finalen Phase mühten sich die besten Restauratoren drei Jahre lang an der Genialität ihrer Großväter. Ergebnis: ein Neuwagen, der 70 Jahre auf dem
Zähler hat.

So sahen früher Rennwagen aus: das Kamm Coupé in seinem zweiten Leben. In Sachen Leichtbau und Aerodynamik war es schon vor 70 Jahren zukunfts­weisend. Ästhetisch? ­Sowieso, zeitlos.

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