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Neue Technik

Modernes Design trifft Klangwolke

Das Design scheidet die Geister, aber B&W vereint sie beim Klang wieder.
Das Design scheidet die Geister, aber B&W vereint sie beim Klang wieder.(c) Bowers and Wilkins

Es muss nicht immer ein Zylinder sein. Der britische Soundspezialist Bowers and Wilkins hat sich bei seinem Streaming-Lautsprecher aus der Komfortzone gewagt.

Bei Lautsprechern hat sich in den vergangenen Jahren ein ziemlich einheitliches Design durchgesetzt. Der Zylinder ist der Favorit der Hersteller. Für ein ungewöhnlich futuristisches Design hat man sich bei Bowers and Wilkins entschieden. Der Name „Wedge“ ist Programm, es heißt auf Deutsch so viel wie Keil oder Ecke. „Die Presse am Sonntag“ hat das Designstück getestet.

Das Unternehmen wurde 1966 in Worthing in Großbritannien gegründet und ist für seine Lautsprecher im Mittel- und Hochpreissegment bekannt. Als bekanntestes Produkt gilt heute noch der 1993 auf den Markt gebrachte Nautilus: ein schneckenförmiger Lautsprecher mit Nautilus-Röhrentechnologie für 65.000 Euro (im Paar). Deutlich billiger, aber nicht günstig wird der Wedge angeboten. 1000 Euro verlangen die Briten für den Lautsprecherriesen.

Eckestehen kann er. Der Keil bringt satte sechseinhalb Kilogramm auf die Waage und ist auch aufgrund seiner Form etwas unhandlich. Er ist aber auch nicht dazu gedacht, mehrmals umgestellt zu werden. Die Dimensionen betragen 23 x 44 x 24 Zentimeter. Sobald also ein Plätzchen gefunden ist, sollte man ihn nicht mehr viel bewegen. Da kein Akku vorhanden ist, erübrigt sich das eigentlich auch. Besonders Ecken scheinen prädestiniert aufgrund der 120-Grad-Form. Ins Auge fällt von Beginn an die Wabenstruktur, die leicht glänzt.

Während das Design im Testhaushalt polarisierte, war man sich zumindest beim Klang einig: herausragend. Fünf Speaker sind im Lautsprecher verbaut: ein Subwoofer mit 80 Watt, zwei 40-Watt-Mitteltöner und zwei Hochtöner mit ebenfalls 40 Watt. Dass hier nur ein einziges Gerät im Einsatz war, wollten die Ohren nicht gleich glauben. Erst recht nicht, als die standardmäßigen Einstellungen verändert wurden, denn hier kann beim Bass (bis zur Stufe sechs) nachjustiert werden. Ein präziser Bass und klare Höhen lassen andere Lautsprecher blass aussehen. Auch eine höhere Lautstärke verzerrt das Ergebnis nicht. Ein Ausreizen der Lautstärke war kaum möglich, ohne die Nachbarn auf den Plan zu rufen. Konzertfeeling in den eigenen vier Wänden ist purer Luxus – und dabei war egal, ob klassische Musik oder Metallica „aufgelegt“ wurde.

Zickig bei der Musikwiedergabe. Nicht alles möchte der Wedge auf sich abgespielt wissen. Unterstützt wird nämlich nur Bluetooth, Air Play 2, Spotify Connect und Roon, worüber aber auch nicht komprimierte Dateien verlustfrei wiedergegeben werden. Der Dienst ist jedoch nicht kostenfrei. Zwei Modelle bietet Roon: ein Jahresabo für 120 Dollar oder einmalig 500 Dollar. Mit einer beigelegten 60-Tage-Lizenz kann man sich von dem Service überzeugen.

Ein analoger Input fehlt, obwohl ein USB-C-Anschluss auf der Rückseite vorhanden ist. Smarte Assistenten wie Alexa oder Google sind ebenfalls nicht mit an Bord. Auch eine automatische Raumkalibrierung wird nicht angeboten. Aufgrund des überzeugenden vollen Klangs aber ein Feature, das im Test nicht vermisst wurde.

Fazit. Der Wedge von Bowers and Wilkins kann klanglich überzeugen. Bei den Funktionen ist noch Luft nach oben, vor allem gemessen daran, dass dieses futuristische Produkt für 1000Euro feilgeboten wird. Wünschenswert wäre, dass guter Klang wie ihn Bowers and Wilkins bei dem Streaming-Lautsprecher liefert, im digitalen Zeitalter leistbarer wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2019)