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Seit wann ist die Welt nicht mehr verliebt in mich?

Hier und da flackert sie noch auf, die Lebensfreude von damals.
Hier und da flackert sie noch auf, die Lebensfreude von damals. Ben Stiller und Austin Abrams in "Brad's Status".Allstar/Amazon

„Was wäre, wenn. . .“, fragt Ben Stiller in „Brad's Status“. Und lässt sich in eine tiefe Nostalgie fallen. Für die meisten von uns kein unbekanntes Gefühl.

Es gibt da diese Szene in dem Film „Brad's Status“ (2018), der in Österreich nur ganz kurz im Kino lief. Ben Stillers Charakter Brad, ein beruflich mäßig erfolgreicher Mittvierziger, denkt zurück an seine Uni-Jahre und fragt sich: „Seit wann ist die Welt nicht mehr verliebt in mich? Und ich nicht mehr verliebt in die Welt?“

Im Rückblick ist er als junger Mann zu sehen, der sich auf dem Campus mit Kommilitonen unterhält. Und dabei vor Energie beinahe vibriert. Jeder kennt diese Energie. Dieses Nach-der-Schule-vor-dem-Beruf-Lebensgefühl. Unwissenheit spricht aus ihm. Und Naivität. Er weiß noch nichts von den Demütigungen und Zurückweisungen, die auf ihn zukommen. Von den persönlichen Niederlagen. Er denkt, seine Energiequelle sei unerschöpflich.

Mittlerweile ist diese Quelle, auch bekannt als Jugend, längst versiegt. Hier und da flackert sie noch auf, die Lebensfreude von damals. Immer dann, wenn er sich in seinem Sohn wiedererkennt, der demnächst selbst auf die Universität gehen wird. Oder in dessen Schulfreundinnen, die ihn bewundern – so lang, bis er sie mit seinem Fatalismus und seiner zynischen Resignation vor den Kopf stößt.

Und dann gibt es noch seine eigenen Schulfreunde. Allesamt erfolgreicher als er. Einer ist ein Fernsehstar, der andere ein Konzernchef mit Privatjet, wieder ein anderer IT-Milliardär, der ausgestiegen ist und auf seiner eigenen Insel lebt – in einer Ménage-à-trois. Männer, mit denen er sich einst gemessen hat, mit denen er im Wettbewerb stand. Und jetzt das.

In seiner Agonie gibt er seiner nicht besonders ehrgeizigen, mit sich und ihrem Leben zufriedenen Frau die Schuld für sein Versagen. Noch in derselben Minute hasst er sich dafür. Es gibt keine Ausreden. Er ist, wer er ist.

„Ich lebe noch“, sagt er in der letzten Szene. „Ich bin am Leben.“ Sieht so ein Happy End eines Hollywood-Films aus? Ja. Alles eine Frage des Zielpublikums. Denn wer sich in Brad wiedererkennt, ist genügsam geworden.

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