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Urschitz meint

Weltrettung mittels kleiner Rechentricks

Ein globales Problem regional lösen zu wollen, kann „tricky“ sein.

Wer sich zur Bemerkung versteigt, man solle den CO2-Ausstoß schwerpunktmäßig dort stärker bekämpfen, wo er am kräftigsten wächst, bekommt man immer öfter zur Antwort: Ja, China ist zwar der mit Abstand größte Treibhausgassünder und der Ausstoß nimmt dort – im Gegensatz zu Europa – noch immer stark zu. Und zwar jedes Jahr um ein Mehrfaches der österreichischen Gesamtemissionen.
Aber schuld daran seien ja eigentlich „wir“, die wir das viele „Plastikglumpert“ aus dem Reich der Mitte kaufen. Dieser Teil des chinesischen Ausstoßes müsste also eigentlich den Importländern zugerechnet werden. Also im Wesentlichen Europa und den USA.
Da ist natürlich was dran, so kann man durchaus argumentieren. Es wäre im Grunde die Umkehrung des geltenden Verursacherprinzips: Nicht mehr die Produzenten wären für den Treibhausgasausstoß verantwortlich, sondern die Konsumenten.

Es ist aber nicht ganz sicher, ob die Proponenten dieses Vorschlags die Idee auch wirklich zu Ende gedacht haben. Dieses Prinzip würde nämlich naturgemäß auch in die andere Richtung wirken. Und brächte erstaunliche Ergebnisse.

Österreich beispielsweise hätte sein Emissionsproblem im Verkehrsbereich mit einem Schlag vollständig gelöst: Der Tanktourismus, immerhin mehr als ein Viertel der österreichischen Treibhausgasemissionen aus dem Verkehr, wäre dann natürlich Treibstoffexport und müsste Deutschland und Italien zugeschlagen werden. Und siehe da: Plötzlich hätten wir eine Vorzeige-Klimabilanz im Verkehr, ohne dass da draußen ein einziges CO2-Molekül weniger zu finden wäre.

Dass Deutschland nun einen beträchtlichen Teil des österreichischen Klima-Rucksacks übertragen bekäme, wäre für die Nachbarn aber auch kein CO2-Problem. Die sind ja Exportweltmeister und liefern um 230 Mrd. Euro mehr in die Welt hinaus, als sie von dort beziehen. Den schwarzen Klima-Peter hätten dann natürlich die Abnehmer von „Made in Germany“.