Bis zu 120.000 Menschen fliehen aus Idlib in Richtung Türkei. Griechenland fordert, dass Ankara das Thema nicht instrumentalisiert.
Ankara/Athen. Es sind alarmierende Nachrichten, die aus dem Nordwesten Syriens kommen: Wegen der jüngsten Angriffe durch Syriens und Russlands Luftwaffe auf die Rebellenhochburg Idlib sind erneut zahlreiche Menschen auf der Flucht. Die türkische Hilfsorganisation IHH berichtete, dass sich bereits 120.000 Menschen auf den Weg in die Türkei gemacht hätten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Wochenende von 80.000 Personen gesprochen, die wegen der Bombardierungen von Idlib in Richtung Türkei unterwegs seien. Eine neue Fluchtwelle könne die Türkei nicht schultern, beteuerte Erdoğan.
Eine türkische Delegation reiste am Montag in die russische Hauptstadt Moskau, um über Syrien zu beraten. Die Türkei unterstützt in Syrien die Aufständischen gegen Präsident Bashar al-Assad. Assad wiederum erhält Hilfe von Russland und dem Iran.
In der Türkei befinden sich bereits rund dreieinhalb Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Die Führung in Ankara hat mehrmals klargestellt, keine weiteren Menschen mehr aufnehmen zu können.
Athen will Beratungen statt Drohungen
Die griechische Regierung forderte am Montag, dass die Türkei den Flüchtlingspakt mit der EU einhalten und Migration nicht instrumentalisieren solle, um Druck auszuüben. Griechenland, das habe Regierungschef Kyriakos Mitsotakis wiederholt gesagt, sei offen dafür, dass die Türkei mehr Unterstützung erhalte, um Flüchtlinge unterzubringen, anstatt sie nach Europa zu lassen, hieß es aus Regierungskreisen in Athen. Zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Türkei müsse jedoch durch Beratungen mit der Europäischen Union und nicht durch Drohungen erzielt werden. (APA/Reuters)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2019)