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Pizzicato

Musikalisches Völlegefühl

Es ist wie mit den Keksen. Irgendwann reicht es. Dann verlangt der Körper nach einem Rad Wurst oder würde im Extremfall sogar an einem Salzstein lecken.

Musikalisch ist das nicht anders. Irgendwann kommt der Moment, in dem ein gefühlvoll dahingeträllertes Lied, in dem irgendetwas mit Christmas geschmachtet wird, auch die letzten Ganglien verklebt hat. Wenn schon der Gedanke an „A very merry Christmas and a happy new year, let's hope it's a good one without any fear“ einen geistigen Zuckerschock auslöst, wenn bei „Last Christmas“ heftiges Sodbrennen einsetzt und man bei „Driving home for Christmas“ inständig hofft, dass Chris Rea schon längst wieder auf dem Heimweg ist.

So wie Lebkuchen am Tag danach ihre Attraktivität komplett eingebüßt haben, man keine Vanillekipferl oder Linzer Augen mehr sehen will, so verräumt man nun auch die Weihnachts-CDs oder -playlists in den Kasten. Es ist vorbei. Und es beginnt die Zeit, in der man das musikalische Völlegefühl durch gezielte Diät (endlich Ruhe!) oder ein rasantes Fitnessprogramm (Rock 'n' Roll!) wieder loszuwerden versucht. Endlich wieder „Hells Bells“ statt „Jingle Bells“, „Smoke on the Water“ statt Weihrauch im Wohnzimmer und statt „Born in Bethlehem“ heißt es wieder „Born to be wild“. Kurz: It's the most wonderful time of the year . . .  (eko)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2019)