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Kritik

Staatsoper: Lächerliches Knusperhäuschen

(c) Wiener Staatsoper/Michael Pöhn
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Unansehnliche Inszenierung, keine Orchesterproben: einige Enttäuschung bei der Serie von Humperdincks „Hänsel und Gretel“.

Wenn Geschichten oder gar Märchen hölzern erzählt beziehungsweise verkrampft interpretiert werden, dann kann nicht viel dabei herauskommen. Andrerseits könnte es jedem seriösen Opernhaus zur Ehre gereichen, „Hänsel und Gretel“ zum allergrößten Teil aus dem eigenen Ensemble besetzen zu können. Das schließt wenigstens aus, dass Rollen überbesetzt werden. So versuchte die Staatsoper ihre weihnachtliche Humperdinck-Serie mit allerlei Hypotheken.

Die unansehnliche Inszenierung von Adrian Noble von 2015 ähnelt eher einer Grottenbahn und kann wohl kaum die Fantasie eines jungen Publikums beflügeln. Hier der zum Kitsch aufgeblasene Abendsegen (Unmengen von weißen Luftballons stören diese innige und berührende Musik), dort die szenischen Pleiten im dritten Bild: ein lächerliches Knusperhäuschen in Miniformat und dann der missglückte Hexentanz. Theater sollte Imagination anbieten, bei einem Märchen darf die dazugehörige Naivität jedoch nicht lächerlich gemacht werden. „Hänsel und Gretel“ haben ja schon darunter zu leiden, dass sie gemeinhin als Einstiegsoper für den jüngsten Nachwuchs gelten. Humperdincks kostbare Musik eignet sich mit seinem wagnerischen Jargon dafür jedoch herzlich wenig. Sie ist nicht leicht zu hören – und noch schwerer zu spielen.