Dichand und seine "Krone": Kämpfe und Skandale

Dichand seine Krone Kaempfe
Dichand und seine ''Krone''(c) APA (HELMUT FOHRINGER)

Mit rund 2,9 Millionen Leser ist die "Kronen Zeitung" das meistgelesene Blatt des Landes. Um die Vorherrschaft in der mächtigen Zeitung gab es immer wieder Kämpfe.

Die Erfolgsgeschichte der "Kronen Zeitung" begann mit einem Skandal: Drei Jahre nach seinem Start landete das Blatt im Jahr 1903 mit dem "Königsmord zu Belgrad" einen Volltreffer und zog erstmals die Leser in Massen an.Die Massenanziehungskraft sollte sie behalten. Ihren Titel verdankt die "Illustrierte Kronen-Zeitung", gegründet am 2. Jänner 1900, ihrem günstigen Kaufpreis und nicht der Monarchie. Die Nationalsozialisten bereiteten der "Krone" ein vorübergehendes Ende, bevor der legendäre Herausgeber Hans Dichand, der nun im Alter von 89 Jahren gestorben ist, den Startschuss für den zweiten Teil der Erfolgsgeschichte von Österreichs größter Tageszeitung gab.

Starthilfe aus dem ÖGB

Vor seiner "Krone"-Ära war Hans Dichand Chefredakteur des "Kurier". Er verließ das Blatt in Folge eines Streits mit dem Herausgeber der Zeitung und erwarb die Titelrechte der "Illustrierten Kronen-Zeitung", die er als neue "Kronen Zeitung" auferstehen ließ.

Finanzielle Starthilfe leistete ihm der damalige Vizepräsident des Gewerkschaftsbunds (ÖGB), Franz Olah. Er besorgte Dichand einen Kredit bei der Zentralsparkasse, als Strohmann hielt der deutsche Ferdinand Karpik 50 Prozent an der Zeitung. Olah war es auch, der Dichand Kurt Falk als Geschäftsführer und Partner ans Herz legte.

Dichand musste aus der Redaktion weichen

Mitte der 60er Jahre - nach der Entmachtung Olahs - erhob der ÖGB Besitzansprüche an die "Krone", da Olah angeblich Bürgschaftsgelder des ÖGB zur Gründung der neuen Tageszeitung verwendet hatte. 1966 kam es sogar soweit, dass Dichand und Falk die Redaktion vorübergehend verlassen mussten und die "Krone" per einstweiliger Verfügung einem öffentlichen Verwalter unterstellt wurde.

Nach jahrelangem Rechtsstreit wurde der Gewerkschaft eine Entschädigung zugesprochen und Kurt Falk übernahm die 50 Prozent des Deutschen Karpik. Mit Anfang der 70er Jahre zog sich Falk Stück für Stück aus dem operativen Geschäft zurück. Nach andauernden Unstimmigkeiten mit Dichand stieg er im Jahr 1987 gänzlich aus der "Krone" aus und gab seine Anteile an die deutsche Verlagsgruppe WAZ ab. Falk soll dafür rund 160 Millionen Euro erhalten haben. 50 Prozent Dichand, 50 Prozent WAZ lauteten die neuen Eigentümerverhältnisse.

(c) APA (mh/wl)

Mit der WAZ zum Medienriesen

1988 tat sich die "Krone" mit dem "Kurier", an dem sich die WAZ ebenfalls mit rund 49 Prozent beteiligt hatte, zu einem bis heute marktbeherrschenden Konzern, der Mediaprint, zusammen. Die Mediaprint ist für Druck, Vertrieb, Anzeigen und Verwaltung der beiden Zeitungen, aber auch von Magazinen wie "profil" oder "trend" zuständig.

Bis Ende der 1990er Jahre verlief die Kooperation zwischen Hans Dichand, der WAZ und "Kurier"-Mehrheitseigentümer Raiffeisen im Rahmen der Mediaprint für beide Seiten fruchtbar.

Für Unstimmigkeiten sorgte die Verteilung der Gewinne in der Mediaprint, die zu 70 Prozent an die "Krone" und zu 30 Prozent an den "Kurier" fließen. Dichand wollte diesen Schlüssel bis zuletzt in regelmäßigen Abständen zu seinen Gunsten verändert wissen. Für heftige Kritik seitens der Konkurrenz sorgte immer wieder die monopolartige Marktstellung der Mediaprint.

Kampf um Dichands Nachfolge als Chefredakteur

Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts kam es schließlich immer öfter zu Reibereien zwischen den Eigentümern der "Krone". Mit dem dominanten Hans Dichand und dem nicht weniger machtbewussten WAZ-Geschäftsführer Erich Schuman standen sich zwei ebenbürtige Gegner gegenüber, die sich einen jahrelangen Kampf um die Vormachtstellung der Tageszeitung lieferten.

Während die WAZ versuchte, sich Hans Dichands als Zeitungschef zu entledigen, fürchtete dieser, Schumann wolle die Leitung der Redaktion an sich bringen. Konkret soll der WAZ-Mann damals angeboten haben, dass Dichands Sohn Christoph Chefredakteur werden könne, wenn der Senior als Hauptgeschäftsführer zurücktrete. Der dachte aber nicht daran.

Zum offenen Konflikt kam es, als Dichand 2003 seinen Sohn gegen den Willen der WAZ zum Chefredakteur machte. "Ich nehme diesen Kampf auf. Der Fehdehandschuh ist mir von diesem Dr. Schumann vor die Füße geworfen worden. Ich habe ihn aufgenommen und halte ihn fest", so ein legendäres Zitat Hans Dichands.

Gerüchte über Übernahme der WAZ-Anteile

Es folgten etliche Termine vor österreichischen und internationalen Richtern und Schiedsgerichten, die den Zank aber nicht schlichten konnten, sondern ihn im Gegenteil immer fester zementierten. Einen weiteren Höhepunkt im wilden Streit um die "Krone" gab es, als Dichand im Jahr 2006 den von der WAZ bestellten Chefredakteur Michael Kuhn fristlos entließ, Kuhn klagte gegen die Entlassung und bekam vor diversen Gerichten Recht. Bis heute durfte er die Redaktionsräume der "Krone" aber nicht wieder betreten.

Friedlichere Töne zwischen den Hälfte-Eigentümern wurden erst mit dem Tod Schumanns im Jänner 2007 und der Einberufung einer neuen Mediaprint-Geschäftsführung im Herbst 2007 angeschlagen. Die Friedensbemühungen zeigten erste Erfolge, als sich Familie Dichand und WAZ Ende 2008 gemeinsam für die Übernahme des von Dichands Schwiegertochter Eva gegründeten "Live" entschieden hatten.

Dichands letzter Wille, nämlich die "Krone" wieder ganz unter das Dach der Familie Dichand zu holen, blieb ihm letztlich verwehrt. Bis Pfingsten war eine von der WAZ gesetzte Frist für den Rückkauf der "Krone"-Anteile ohne Ergebnis verstrichen. Kolportiert wurden in den vergangenen Wochen auch Meldungen wonach Dichand senior sogar überlegen solle, seine umfangreiche und sagenumwobene Kunstsammlung zu veräußern, um die WAZ auszukaufen und wieder ganz eigener Herr im eigenen "Krone"-Haus zu sein.

Über 40 Prozent Reichweite

Die "Kronen Zeitung" ist Österreichs meistgelesene Zeitung. Lag die "Krone" Mitte der 1960er Jahre noch unter fünf Prozent Reichweite, so stieg sie im Laufe der Jahrzehnte dank des gewonnenen Verdrängungskampfes in lichte und einsame Reichweitenhöhen. Legendär sind die Kampagnen, die das Blatt in regelmäßigen Abständen Aufsehen erregte.

Laut den jüngster Daten der Media-Analyse kommt das Blatt auf eine Reichweite von 40,4 Prozent beziehungsweise rund 2,9 Millionen Leser. Im internationalen Vergleich gehört das Kleinformat damit gemessen an der Einwohnerzahl zu den weltweit reichweitenstärksten Zeitungen.

 

 

(APA)