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Kolumne

"Miststück" und "Schweinepriester": Wie amerikanische Filme unsere Sprache verändern

Jeff Bridges, John Goodman & Steve Buscemi Characters: Jeffrey Lebowski - The Dude,Walter Sobchak & Theodore Donald Don
In der Kultkomödie "The Big Lebowski" aus dem Jahr 1998 kommt so oft das Wort "Fuck" vor, dass man sich entschied, es in der deutschsprachigen Version jedes Mal mit "bekackt" zu synchronisieren.imago images/Mary Evans
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Um die Übersetzung exakt an die Lippenbewegungen der Schauspieler anzupassen, sind im Laufe der Jahre seltsame bis absurde Wortkreationen geläufig geworden.

Wer sagt im Alltag schon „Miststück"? Oder „Flittchen"? Oder „Schweinepriester"? Oder „Und ob"? Nun, gar nicht so wenige. Amerikanischen Filmen und Serien sei Dank. Wie in dieser Kolumne schon mehrfach beklagt, hat sich im deutschsprachigen Raum die Kultur des Synchronisation (statt Untertitel) durchgesetzt. Mit der Folge, dass sich zugunsten einer lippensynchronen Übersetzung seltsame Wortkreationen einnisteten, die – sofern sie überhaupt existieren – oft wie Fremdkörper wirken.

Oder würde jemand von sich aus auf die Idee kommen, einen Mann als „Flachwichser" zu bezeichnen? Das häufige Schimpfwort „Motherfucker" wird nämlich zumeist so übersetzt. Manchmal auch mit „mieser Wichser". Selbiges gilt für „Son of a Bitch", aus dem für gewöhnlich „so ein Mistkerl“ wird – wenn man Glück hat. Denn ab und zu kommt auch der Fantasiebegriff „Schweinepriester" zum Einsatz.

Mit noch absurderen Wörtern werden die beiden gängigsten Beschimpfungen von Frauen übersetzt, und zwar „Bitch" und „Slut": Ersteres so gut wie immer mit „Miststück", Letzteres mit „Flittchen". Neudeutsche Begriffe, die schrittweise von deutschen Filmen und Serien übernommen wurden und vor allem aus der Jugendsprache nicht mehr wegzudenken sind.

Ein Phänomen, das sich natürlich nicht nur auf Schmähungen und Flüche (ach ja, „Bullshit" wird zuweilen allen Ernstes mit „Bockmist" übersetzt, anstatt es einfach bei „Bullshit" zu belassen) beschränkt, auch Sprüche wie „Was ist los mit dir?" ("What's wrong with you?"), „Und ob" ("you bet") sowie „Echt jetzt?“ ("Really?“ bzw. „Are you serious?") sind darauf zurückzuführen. Oder die Unart, einen Satz mit „Hör zu" ("Listen") zu beginnen.

Obwohl . . . vielleicht tun wir den Synchronisationsteams unrecht. Einen Film in eine andere Sprache zu übersetzen, ohne seine Seele zu verlieren, ist bestimmt keine leichte Aufgabe und erfordert viel Kreativität. Wie hätte man beispielsweise in „Pulp Fiction" die Aufschrift „Bad Motherfucker" auf Samuel L. Jacksons (Auftragskiller Jules) Portemonnaie übersetzen sollen? Irgendeine Idee? Man entschied sich im Kontext des Streifens für „Böser schwarzer Mann". Nicht schlecht, oder? Wenn man bedenkt, dass es auch „Böser Flachwichser" hätte werden können.