"Kronen Zeitung": Wer soll Imperium künftig führen?

Kronen Zeitung soll Imperium
Hans Dichand hinterlässt ein Macht-Vakuum(c) AP (Ronald Zak)

Auf die "Kronen Zeitung" kommt ein Machtkampf zu: Hans Dichand hinterlässt ein Vakuum, Hälfte-Eigentümer WAZ will nun seinen Einfluss erhöhen. Das deutsche Verlagshaus denkt nicht mehr an einen Verkauf.

Patriarch Hans Dichand, der am Donnerstag mit 89 Jahren verstarb, hinterlässt in der "Kronen Zeitung" eine Lücke, die seine Erben wohl kaum füllen können. Bei Österreichs größter Tageszeitung wird es in nächster Zeit wohl zum Machtkampf kommen: Die deutsche WAZ will ihren 50 Prozent-Anteil an der "Kronen Zeitung" jedenfalls nicht mehr verkaufen. "Nach dem Ableben des großen alten Verlegers Hans Dichand sind wir aufgrund der geänderten Machtverhältnisse nicht mehr an einem Verkauf interessiert", sagte Bodo Hombach, einer der WAZ-Bosse, im "Handelsblatt".

Die deutsche Tageszeitung zitiert darüber hinaus einen "Unternehmensinsider" der WAZ mit den Worten: "Dichand konnte schalten und walten, das ist nun vorbei."

Dichand selbst erklärte Zeit seines Lebens, dass er sein Lebenswerk "in der Familie halten und weitergeben" wolle. Zuletzt hatte Dichand, dessen Vermögen auf 750 Millionen Euro geschätzt wird und der auch eine wertvolle Kunstsammlung besitzt, versucht, den 50 Prozent-Anteil der WAZ zurückzukaufen. Der deutsche Medienkonzern soll dafür um die 200 Millionen Euro verlangt haben, ein Preis, der Dichand zu hoch erschien.

WAZ ist unzufrieden mit der "Krone"

Mit den geänderten Kräfteverhältnissen im Hause "Krone" könnte die WAZ nun versuchen, ihren wirtschaftlichen Einfluss zu erhöhen. Über das jüngste Jahresergebnis war man in Essen jedenfalls mehr als unzufrieden. Aus einer Zeitung mit der Reichweite und Auflage der "Krone" müsse mehr herauszuholen sein, so Meinung der deutschen Partner.

Als Alleingeschäftsführer und Herausgeber hatte Dichand das alleinige wirtschaftliche Sagen in der "Krone". Den Posten des Alleingeschäftsführers mit allen personellen Vollmachten gibt es nun nicht mehr. Die WAZ erhält nun mehr Eigentümerrechte. Die Geschäftsführung wird künftig paritätisch besetzt, Dichands Erben und die WAZ entscheiden in wirtschaftlichen und personellen Fragen gleichberechtigt.

Wer ist Haupterbe im "Krone"-Imperium?

Auf die Tageszeitung und auf den Verlag kommen schwierige Zeiten zu, denn Dichand hat Zeit seines Lebens keinen Kronprinzen aufgebaut, der ihn beerben könnte. Zwar war Sohn Christoph Dichand seit 2003 Chefredakteur des Blattes, doch Dichand senior bestimmte bis zuletzt die Linie des Blattes und entschied über den Aufmacher.

Der 50 Prozent-Anteil Dichands an der "Krone" geht an die Familie, bestehend aus Dichands Frau Helga, der Tochter Johanna sowie den Söhnen Michael und Christoph sowie dessen Frau Eva. Wen Dichand als Haupterben eingesetzt hat, das wird wohl erst das Testament des 89-Jährigen klären.

Sollte Hans Dichand die Weitergabe seines "Krone"-Anteils nicht testamentarisch geregelt haben, dann würde Dichands Frau Helga im Zuge der gesetzlichen Erbfolge ein Drittel zufallen, und an Dichands Kinder Michael, Johanna und Christoph die restlichen zwei Drittel. Die Verteilung der "Krone"-Anteile würde in diesem Fall dann so aussehen: 50 Prozent WAZ, 16,66 Prozent Helga Dichand, und je 11,11 Prozent Michael, Johanna und Christoph Dichand. Die Dichand-Erben haben freilich schon in der Freitag-Ausgabe der "Krone" angekündigt, dass man "eine Familie" sei und wisse, dass man Verantwortung trage - "und wir werden sie tragen!".

Christoph könnte als Chefredakteur gemeinsam mit seiner Frau Eva, die als "Heute"-Geschäftsführerin erfolgreich ist, bei der weiteren Entwicklung der "Krone" eine wichtige Rolle zukommen.

Denn die beiden älteren Geschwister haben wenig mit Medien zu tun: Der älteste Sohn Michael war Biobauer, beschäftigt sich mit erneuerbaren Energien und lebt hauptsächlich in den USA. Johanna hat vom Vater den Kunstsinn geerbt, arbeitete als Galeristin und ist Gesellschafterin und Aufsichtsrätin im Dorotheum.

Hoffnungen lagen auf jüngstem Sohn

Dichand setzte seine Hoffnungen für die "Krone"-Zukunft ganz auf seinen Sohn Christoph Dichand, den er bereits 2001 öffentlich als seinen Nachfolger positionierte. Ab 1. Februar 2003 übernahm der promovierte Jurist den Posten des Chefredakteurs in der "Krone". Sehr zum Missfallen der WAZ, die gerichtlich gegen die Besetzung vorging. Ein Schiedsgericht schlichtete den Streit.

(c) APA (M. Schmitt)

Das Medienhandwerk hatte Christoph, der 1993 in Innsbruck zum Thema "Der Persönlichkeitsschutz im Mediengesetz" seine Dissertation verfasste, zuvor als Chefredakteur der Sonntagsbeilage "Krone bunt" erlernt. In New York studierte er in den 90er Jahren bei den amerikanischen Boulevardzeitungen "New York Post" und "Daily News" außerdem die Cover-Gestaltung.

Eva Dichand als Machtfaktor im Clan

Wie sein Vater blieb auch Christoph Dichand stets im Hintergrund, auch wenn er sich in den vergangenen Jahren - mit betont bescheidenem Auftreten - bei diversen Medienterminen gemeinsam mit Ehefrau Eva blicken ließ. Diese bildet als Herausgeberin der Gratiszeitung "Heute" mittlerweile einen eigenen Machtfaktor im Dichand-Clan. Gemeinsam mit der "Krone" erreichte das Gratisblatt 2009 etwa 60 Prozent aller Wiener, eine Größe, über die auch die Politik nicht ohne weiteres hinwegblicken kann.

Eva Dichand wird in der Branche finanzielles und verlegerisches Geschick attestiert und auch vom Schwiegervater wurde ihr Wirken als "Heute"-Herausgeberin stets wohlwollend betrachtet. Sie galt deshalb immer wieder als Kandidatin für höhere "Krone"-Weihen. Zuletzt wurde sie Anfang dieser Woche auf eine mögliche Zukunft bei dem Reichweitenriesen angesprochen. Eva Dichand blieb dabei aber vage: "Ich glaube nicht, dass es das Problem der 'Kronen Zeitung' ist, einen guten Manager zu finden."

"Krone" könnte milder werden

Fraglich ist auch, welchen inhaltlichen Kurs das Blatt einschlagen wird. "Die einen sagen, es wird komplett anders, die anderen sagen, es bleibt gleich", meinte ein "Krone"-Mitarbeiter am Donnerstag. Branchenkenner glauben bereits in der jüngsten Berichterstattung rund um Arigona Zogaj einen inhaltlichen Kurswechsel zu erkennen.

Heftige Kritik an der Feigheit der Spitzenpolitik und ordentliche Bandagen für die Innenministerin durch "Krone"-Innenpolitikchef Claus Pandi und "Krone"-Postler Michael Jeannee während des bereits krankheitsbedingten Dichand-Vakuums wertet der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell etwa als erstes Zeichen der Bewegung.

"Boulevard mit sozialer Verantwortung"?

"Ein Kurswechsel ist möglicherweise bereits in Gang", so Hausjell. "Man wird sehen, ob sich jetzt jene Kräfte durchsetzen, die schon seit einiger Zeit eine inhaltliche Reform der 'Krone' durchsetzen wollen. Es gibt in der Redaktion viele humanistische gebildete und kluge Köpfe, die die 'Krone' zu einem anderen Massenblatt machen und auf einen Boulevard mit sozialer Verantwortung bringen wollen", so Hausjell.

Ersten kolportierten redaktionsinternen Widerstand gab es etwa bereits rund um die anfängliche "Krone"-Unterstützung für die FPÖ-Politikerin Barbara Rosenkranz im jüngsten Bundespräsidentschaftswahlkampf. Die Redaktion sollte Recht behalten: In dieser Frage traf der berühmte Spürsinn von Dichand senior nicht zu.

(APA/Red.)