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Interview

„Es gibt auch sehr erfolgreiche Länder in Afrika“

„Schweden brauchte 50 Jahre, um die Lebenserwartung von 45 auf 65 zu steigern. Ghana ebenfalls“, so van Trotsenburg.Caio Kauffmann
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Viele afrikanische Länder würden sich nicht langsamer entwickeln als europäische Staaten zuvor, sagt Axel van Trotsenburg von der Weltbank. Sie hätten nur später damit begonnen.

Die Presse: Die USA und China sind seit Monaten in einem Handelskrieg. Wie stark betrifft das die Weltbank?

Axel van Trotsenburg: Es hat uns bisher nicht stark getroffen. Wir haben es bei wichtigen Entscheidungen – etwa bei der jüngsten Kapitalerhöhung – immer wieder geschafft, dass alle Länder mitgestimmt haben. Das hängt damit zusammen, dass wir bei unserer Tätigkeit gute Resultate im Entwicklungsbereich erzielen. Allerdings sind durch den Handelskrieg die Aussichten für die Weltwirtschaft schlechter geworden, weshalb es mehr Anfragen für finanzielle Unterstützung von einigen Ländern gibt.

US-Präsident Donald Trump hat jedoch erst im Dezember die Weltbank dazu aufgefordert, keine Kredite mehr an China zu vergeben. Und die USA sind immerhin ihr wichtigster Geldgeber.

Die Weltbank besteht aus 189 Ländern. Jeder davon ist berechtigt, seine Meinung zu äußern. Und es gibt auch eine Debatte darüber, wie mit Ländern wie China umzugehen ist, die nun ein stark gestiegenes Pro-Kopf-Einkommen haben. Sollen diese Länder noch Kredite der Weltbank erhalten? Klar ist, dass man das Programm langsam herunterschraubt. Und das wird bei China auch gemacht. So ist das Kreditprogramm von 2,4 Mrd. Dollar vor zwei Jahren inzwischen auf 1,3 Mrd. Dollar zurückgegangen. Und parallel dazu ist China auch zu einem Geberland geworden. Das ist nicht anders, als es in den 1960er-Jahren bei Japan, Italien oder Australien war.

Gibt es neue Projekte in China?