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Je später am Tag, desto länger die Stunde

Ich fragte laut, ob ich hier richtig sei, ob ich hier die Türnummer fände, die ich suchte. Niemand antwortete. Niemand war da. Ich ging weiter und suchte die Tür. Doch wie war diese Nummer? – Sechs Nachtbilder.

Weiße Wände
Die Tür öffnete sich automatisch, ich trat in einen langen Gang ein und ging weiter. Alle Wände waren weiß. Auch die Reihe geschlossener Türen – weiß. Niemand trat heraus, niemand trat ein. Ich fragte laut, ob ich hier richtig sei, ob ich hier die Türnummer fände, die ich suchte. Niemand antwortete. Niemand war da. Ich blieb stehen, drückte die Taste an der Wand, wusste nicht, warum, wartete nicht auf den Aufzug, ging weiter und suchte die Tür mit der bestimmten Nummer. Doch wie war diese Nummer? Ich hatte sie vergessen. „Mehr Konzentration, dann fällt sie mir bestimmt wieder ein“, tröstete ich mich, ging weiter, betrachtete die weißen Wände, las die Nummern über den weißen Türen und . . . Ich stieß mit jemandem zusammen, entschuldigte mich, wandte den Blick ab von den Nummern über den Türen und erschrak vor meinem Gegenüber. – Das eigene Spiegelbild starrte mich an. Ich ging weiter – entlang der weißen Wände.

Verfolgt
Da war ein Schild. Polizei stand darauf. Ich sah ihn sofort. Er kam durch das offene Tor auf die Straße, blieb kurz stehen, und es schien mir, als werde er gleich auf mich zukommen. Er ging aber auf der anderen Seite der Fahrbahn in derselben Richtung wie ich. Dass wir zufällig ein gemeinsames Ziel hätten, konnte ich mir nicht vorstellen, und überzeugt, dass er mich verfolge, ließ ich ihn nicht aus den Augen. Ich blieb bei der Straßenbahnhaltestelle stehen, und tatsächlich überquerte er die Fahrbahn und stand plötzlich einige Schritte vor mir. Es wurde mir bang ums Herz, dennoch tat ich, als bemerke ich weder ihn noch seine Absicht, sich mir zu nähern. Aber warum suchte er meine Nähe?