Niki Lauda ist sauer, weil man ihm wegen des Eyjafjalla-Vulkans den Luftraum sperrte. Nun flog er hin, um zu zeigen, dass der Berg nicht böse ist. Der Vulkan teigte sich nur wolkenverhangen.
Vor Kurzem noch war die Farm von Pall Eggert Olafsson bei Thorvaldseyri in Südisland so was wie ein Symbol für die Naturgewalten, gegen die man machtlos ist: Der Hof mit seinen weißen Silos 120 Kilometer südöstlich von Reykjavik steht am Südhang des Eyjafjalla-Vulkans. Als der von einem Gletscher („Jökull“) bedeckte Vulkan von 20. März bis 25. Mai ausbrach, stand eine riesige Eruptionswolke wie ein Turm über der Farm, nächtens glühte auf dem Berg eine Feuerkrone. Olafssons Gehöft wurde von einer Ascheschicht zugedeckt, die Fotos gingen um die Welt.
„Ich habe Angst um meine Kühe und Pferde“, sagte der Bauer damals, die Tiere könnten nämlich an dem von Asche verschmutzten Gras und Wasser eingehen.
Nun: Drei Wochen, nachdem der Vulkan, den Isländer maschinengewehrschnell als „Aia-fjatla-jökutl“ aussprechen, wieder zur Ruhe kam, leben noch alle von Olafssons Islandpferden. Die Wiesen sind grün, die weißen Gebäude mit den roten Blechdächern glänzen, nur die Zufahrt ist anthrazitfarben. „Ich bin überrascht, wie grün alles ist“, sagt Fremdenführer Arinbjörn Vilhjálmsson“, „erst war alles total schwarz, jetzt meint man, es sei nie was passiert“.
Etwas Ähnliches dachte sich wohl auch Airlinechef Niki Lauda, als Europas Luftkontrollbehörden wegen der Aschewolke den Luftraum sperrten. Er hielt die Angst, die Asche würde Flugzeuge gefährden, für übertrieben. Man mag dazu stehen, wie man will: Jedenfalls organisierte Lauda auf Facebook trotzig ein Spiel, bei dem man „Niki“-Jets an Aschewolken vorbeimanövrieren musste. Mit den 23 Gewinnern und einigen Journalisten flog er nun demonstrativ Eyjafjalla schauen.
Daraus wurde eine arge Ochsentour, denn die Truppe, die um acht in der Früh auf dem Flughafen Keflavik landete, sollte schon um Mitternacht zurück nach Wien. Da es allerhand zu besichtigen galt, verbrachte man von den 16Stunden etwa zwölf damit, im Bus über ermüdende Landstraßen zu rumpeln; vielleicht flog Lauda deshalb nach kurzem Foto-Posing gleich zurück. Dafür war's witzig, in der ans Cockpit grenzenden Toilette des Airbus zu sitzen und durch die dünne Wand das markante Schnarren Laudas zu hören. Apropos markant: Sein rotes Kapperl wird Lauda mit Jahresende los sein, da der Schweizer Oerlikon-Konzern aus Spargründen den Werbevertrag beendet.
Der 1666 Meter hohe Eyjafjalla, der auf einem festungsartigen Gesteinsmassiv mit Wasserfällen thront, zeigte sich dann wolkenverhangen, sein Profil zackte schon von Weitem durch den grauen Himmel wie eine Fieberkurve. Die Fahrt durch die bräunliche, moosbedeckte und mit blauen Alaska-Lupinen gespickte Gegend führte auch zu Wasserfällen, Geysiren und einem Wikingerschiff, wobei für jeden Ort zehn bis 20 Minuten drin waren.
Wenigstens konnte man zu Beginn in der „Blauen Lagune“, einem Thermalbad mit milchig-blauem Salzwasser bei Keflavik – eigentlich das Abflussbecken eines Erdwärmekraftwerks –, planschen, die Preisträger tranken Bier an der Poolbar. Am Abend gab's ein schnelles „Lobster-Essen“ mit Hauswein justament aus Australien. Beim Rückflug war man dann, wie es so heißt, „paniert“ – aber happy.
Im Vorfeld hatte es zwar Kritik gegeben, die Blitztour mit Lobster-Esserei und Lagunenbad wirke wie „Gemma Verlierer der Finanzkrise schauen, und das aus der Luxusperspektive“, aber so böse war's wirklich nicht: Erstens ist die Blaue Lagune eine normale Therme, und zweitens handelte es sich beim Lobster, wie in Skandinavien üblich, um Töpfe voll gekochter Krabbenschwänze; bei uns gibt's die bei Ikea. Und Lauda kriegt sicher einen neuen Sponsor fürs Kapperl.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2010)