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Buchvorstellung

Joe Biden als Privatdetektiv

Andrew Shaffer: „Hope Never Dies“, übersetzt von Eva Bonné, Droemer, 320 Seiten, 15,50 Euro(c) Beigestellt

In einem der schrägsten Krimis der Saison, „Hope Never Dies“, holen sich mit Barack Obama und seinem Vize zwei ausrangierte Politiker etwas „Action“ ins Leben zurück.

Der wohl ungewöhnlichste Krimi des Jahres 2019 ist durchaus auch 2020 für einige kurzweilige Stunden gut. In „Hope Never Dies“ holt US-Autor Andrew Shaffer die beiden gelangweilten Polit-Pensionisten Barack Obama und Joe Biden als Privatermittler aus der Versenkung, in die sie nach ihrer Amtszeit verschwunden sind: „von der Zeit ausgelutscht und ausgespuckt wie Kautabak“.

Die Krimihandlung wird zwar keine Preise gewinnen, die witzigen, oft selbstironischen Dialoge sind hingegen vergnüglich, von geistreich bis schnoddrig. Andrew Shaffer arbeitet sich auch genüsslich an dem komplexen Verhältnis zwischen den beiden ab: Joe Biden, der beleidigt auf ein Lebenszeichen seines besten Freundes wartet, während der das Jetset-Leben genießt.

Die Wege der Politbrüder kreuzen sich erst wieder, als ein alter Freund von Biden, ein Schaffner im Zug zwischen Delaware und Washington, von einem Zug überrollt und anschließend des Drogenschmuggels verdächtigt wird. In den USA war „Hope Never Dies“ ein Erfolg, der zweite Teil, „Hope Rides Again“, ist gerade erschienen. Ob Shaffer allerdings Joe Bidens Chancen auf Wiederwahl einen großen Gefallen getan hat, sei dahingestellt. Zwar tritt Biden als honoriger Charakter in Erscheinung, gleichzeitig aber auch als alter Knacker, der nur einen Wunsch hat: „dass aus den Reihen der Demokraten ein neuer Anführer hervortritt. Ein junger Mensch mit unverbrauchten Ideen und zwei gesunden Knien.“ do

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2020)