Es gibt erstaunlich viele kulinarische Parallelen zwischen den 1920ern und den 2020ern: viel Gemüse, wenn auch aus anderen Motiven, Instantprodukte oder eben Convenience – und man achtete auf die „Linie“.
Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Kochbücher tragen Titel wie „Billig und doch gut! Vegetarische Wiener Küche“, „Kochrezepte ohne Fett und möglichster Eierersparnis“, „Was koche ich heute?“, „Gemüsekochbuch der k.k. Gartenbau-Gesellschaft“, „Vegetarismus und Ernährung“ oder „80 Gemüserezepte“. In den 1920er-Jahren waren erstaunlich viele Kochbücher auf dem Markt. Und viel davon drehten sich um das Thema Gemüse oder auch pflanzliche Alternativen, wie Pflanzenöl oder die damals aufkommende Margarine.
Auch heute, in den beginnenden 2020er-Jahren, spielt die pflanzliche Ernährung eine große Rolle – zumindest in der gesellschaftlichen Debatte. Allerdings sind die Motive komplett unterschiedlich. In den 1920ern war man aus der Not heraus gezwungen, mehr Gemüse zu essen und dieses „schmackhaft und nahrhaft“, wie es gern angepriesen wurde, zuzubereiten. Heute hingegen haben wir Fleisch oft einfach satt. Wir essen zu viel davon, es ist überall und viel zu billig zu haben, und das tut weder uns noch dem Planeten gut. Also entdecken wir Gemüse für uns und geben ihm einen höheren Stellenwert. „Damals war es krisenbedingt, heute ist es wohlstandsbedingt“, sagt die Historikerin Ingrid Haslinger, die sich in ihrem jüngsten Buch, „Die Wiener Küche. Kulturgeschichte und Rezepte“ (Mandelbaum Verlag), mit ebendieser beschäftigt hat.