Mobiler Prunk der Zwanziger: Spitzenmodell SS von Mercedes-Benz, gebaut von 1928 bis 1934.
20er-Jahre

Chrom statt Granaten: Als die Autos in die Gänge kamen

Nach der wilden Pionierzeit formierte sich in den 1920er-Jahren in Europa die moderne Autoindustrie – maßgeblich nach US-amerikanischem Vorbild. Die Umwälzungen fegten unzählige Marken hinweg, wenige große etablierten sich. Das nun angebrochene Jahrzehnt verspricht einige spannende Parallelen.

Die Person des Jahrzehnts? Soweit es die Autoindustrie der 1920er betrifft, muss es André Citroën gewesen sein. Andere Namen mögen in der Jahrhundertrückschau heller strahlen – Carl Benz war mit seinem Motorwagen der erste auf dem Patentamt, Wilhelm Maybachs Konstruktionen bereiteten dem Mythos Mercedes den Boden, Ferdinand Porsche hatte schon um die Jahrhundertwende den Hybridantrieb erfunden, und Ettore Bugatti schuf, in handverlesener Stückzahl, mit dem Royale das vielleicht hochkarätigste Automobil aller Tage.

Aber André Citroën war der Mann der 1000 Talente. Der Pariser, ein kleiner Mann mit listigen Augen, war Ingenieur und Konstrukteur, Industrieller – und auch das, was heute viele in Tesla-Gründer Elon Musk sehen: den Visionär und Störenfried jeder etablierten Ordnung; einer mit den Füßen in und dem Kopf außerhalb seiner Branche.

Das Muster, nach dem die Autoindustrie heute noch läuft – in Europa war es André Citroën, der es prägte. Der Mann würde sich pudelwohl fühlen dieser Tage – am Anbruch eines neuen Jahrzehnts, in dem alles wieder frisch durchgerüttelt wird. Gut möglich nur, dass es ihm nicht schnell genug ginge. Doch was geschah in den 1920ern, und was könnte sich auf vergleichbare Weise wiederholen?