Schnellauswahl
Herabstufung

Aktien von Tojners Varta um bis zu 21 Prozent gefallen

Varta Batterien in einem Regal *** Varta batteries in a shelf
Varta Batterien in einem Regal(c) imago images/STPP (via www.imago-images.de)
  • Drucken
  • Kommentieren

Analysten haben die Kaufempfehlung gestrichen, da Varta wegen der starken Nachfrage wohl nicht alle Kunden komplett bedienen konnte. Die Aktie erleidet den größten Kurssturz der Firmengeschichte.

Die Commerzbank hat den deutschen Batteriehersteller Varta des österreichischen Investors Michael Tojner von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel auf 135 Euro belassen. Der Kurs sackte nach Handelsstart zeitweise um bis zu 21 Prozent auf 93 Euro ab. Die Varta-Aktie hatte 2019 um knapp 400 Prozent zugelegt.

Zwar liefen die Geschäfte des MDax-Konzerns fundamental gut, doch habe der Bericht eines Leerverkäufers Erfolge chinesischer Konkurrenz bei großen Kunden aus der Elektronikbranche wie Samsung, Sony und JBL gezeigt, schrieben die Analysten der Commerzbank. Varta sei sich der Situation erst im Dezember bewusst geworden.

Die Abnehmer des Unternehmens hätten wegen der starken Nachfrage, die Varta wohl nicht komplett habe bedienen können, in der Sorge um Marktanteilsverluste auch auf andere Zulieferer gesetzt. Allerdings rechne Varta mit Patentverstößen durch die chinesischen Wettbewerber und gehe rechtlich gegen sie vor. Die betroffenen Firmen seien bereits abgemahnt worden. Einstweilige Verfügungen seien in Vorbereitung.

Varta plant starke Kapazitätsausweitung

Angesichts der Unsicherheit in dieser Angelegenheit strichen die Analysten jedoch ihre Kaufempfehlung für die Varta-Aktien bei einem unveränderten Kursziel von 135 Euro. Sie raten nun zum "Halten".

Vor diesem Hintergrund dürften viele Anleger angesichts der Ungewissheit in puncto Konkurrenz nun erst einmal Kassa machen. Stark laufende Geschäfte von Varta hatten die Papiere im vergangenen Jahr von Hoch zu Hoch getrieben. Anfang Dezember erreichten sie ihre vorläufige Bestmarke von 128 Euro. Insgesamt legte der Kurs 2019 um knapp 388 Prozent zu. Dank der starken Kursgewinne war Varta erst im Dezember in den Index der mittelgroßen Werte MDax aufgestiegen. Der Rücksetzer ist der größte Kurssturz in der Firmengeschichte.

So hatte die starke Nachfrage nach Lithium-Ionen-Zellen Varta kräftigen Schub verliehen. Sie werden unter anderem für Hightech-Produkte für den Endverbraucher benötigt, insbesondere für kabellose Kopfhörer. Da diese sehr beliebt sind und die Nachfrage konstant hoch ist, gehen Experten davon aus, dass sich die jüngste Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weiter fortsetzt.

Nicht zuletzt deshalb und um den steigenden Bedarf zu decken, weitet Varta seine Kapazitäten und Investitionen erheblich aus. Bis zum Jahr 2022 sollen über 150 Millionen Zellen jährlich produziert werden. Bereits 2020 strebt Varta mit einem Marktanteil von mehr als 50 Prozent eine weltweit führende Position mit Lithium-Ionen-Zellen an. Für den Ausbau in der Lithium-Ionen-Fertigung hatte sich das Unternehmen im Sommer über eine Kapitalerhöhung 100 Mio. Euro besorgt.

Der österreichische Varta-Großaktionär Michael Tojner hat Anfang Dezember einen kleinen Teil seiner Beteiligung an dem deutschen Batteriehersteller zu Geld gemacht. Tojners Holding Montana Tech platzierte damals 808.000 Varta-Aktien bei institutionellen Investoren und nahm damit knapp 98 Mio. Euro ein. Tojners Anteil an Varta sank mit der Platzierung auf gut 58 von 60 Prozent. Die Aktien wurden zum Preis von jeweils 121 Euro zugeteilt.

(APA/dpa-AFX/Reuters)