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Babynamen in Wien

"Hass außer Kontrolle": Das Muhammed-Missverständnis

Muhammed war 2019 in seinen unterschiedlichen Schreibweisen der vierthäufigste Babyname in Wien (Symbolbild).
Muhammed war 2019 in seinen unterschiedlichen Schreibweisen der vierthäufigste Babyname bei Buben in Wien (Symbolbild).(c) Getty Images (Sean Gallup)
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Einer der häufigsten Babynamen Wiens ist alles andere als ein religiöses Statement. Die FPÖ ortet dennoch die Islamisierung der Stadt – und fängt sich eine Anzeige wegen Verhetzung ein.

Es war wohl eine Frage der Zeit, bis diese schon seit Jahren anhaltende Entwicklung zu einem Politikum wird – inklusive Frontenbildung in sozialen Medien, heftigem Schlagabtausch zwischen FPÖ und SPÖ und sogar einer Anzeige wegen Verhetzung.

Das alles, weil Muhammed (in unterschiedlichen Schreibweisen) im vergangenen Jahr der vierthäufigste Babyname bei Buben in Wien war – nach Alexander, David und Maximilian. Im 10., 15. und 20. Bezirk wurde der Name des muslimischen Propheten sogar am häufigsten vergeben, wie die Stadt Wien (MA 23) am Dienstag mitteilte. In diesen Bezirken ist der Anteil an Menschen mit beispielsweise türkischem, bosnischem und arabischem Migrationshintergrund besonders hoch. Länder und Kulturen, in denen Muhammed seit jeher zu den gängigsten Vornamen gehört – und zwar unabhängig vom Grad der Religiosität der jeweiligen Familien. Ähnlich wie etwa Lukas, Johannes und David in österreichischen Familien.

Selbst Eltern, für die der Islam im Alltag so gut wie keine Rolle spielt oder die sich sogar als nicht religiös bezeichnen, geben ihren Söhnen den Namen Muhammed. Nicht als religiöses oder gar politisches Statement, sondern beispielsweise deshalb, weil ihre eigenen Väter oder Großväter schon so heißen – Namen innerhalb der Familie weiterzugeben, ist in der türkischen Kultur das wahrscheinlich häufigste Motiv bei der Entscheidungsfindung eines Namens.