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Affäre

Carlos Ghosn: Der Präsident ist schuld

Zerrüttet Affäre die Allianz von Renault und Nissan?

Auf seiner ersten Pressekonferenz als – relativ – freier Mann im Libanon Mitte der Woche sparte Carlos Ghosn nicht mit bitteren Vorwürfen an das japanische Justizsystem und seinen ehemaligen Arbeitgeber Nissan – ein „Komplott“ sei 2018 gegen ihn in Gang gebracht worden, resultierend mit seiner Verhaftung in Tokio im November des Jahres. Ghosn gelang eine spektakuläre Flucht aus dem Hausarrest in Tokio in den Libanon, mit dem kein Auslieferungsverfahren mit Japan besteht.

Auslöser der Zerrüttung zwischen dem einst gefeierten Spitzenmanager und dem japanischen Teil der Renault-Nissan-Allianz sei aber der französische Staatspräsident Emanuel Macron. Der habe als Wirtschaftsminister 2015 „über Nacht“ den Einfluss des Staates auf Renault ausgeweitet – mit einer Sperrminorität und doppeltem Stimmrecht.

Renault hält 43,3 Prozent an Nissan und sprang der Marke in ihrer Krise 1999 als Retter bei. Nunmehr ist Nissan der wirtschaftlich stärkere Part. Dennoch habe Macron darauf gedrängt, die Allianz der beiden Marken enger zu schnüren. Man habe sich in Japan in der Folge von einer Vereinnahmung des Unternehmens durch den französischen Staat bedroht gefühlt, so Ghosn, „nicht nur bei Nissan, sondern auch in der Politik.“ Indes ist die Affäre nicht dazu angetan, das Verhältnis der beiden Allianz-Teilnehmer zu verbessern. Ein Ausstieg in absehbarer Zeit ist für Nissan rechtlich und wirtschaftlich aber nur schwierig zu bewerkstelligen. (tiv)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2020)