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Tesla-Höhenflug ärgert Short-Seller

Symbolbild.
Symbolbild.(c) REUTERS (FRANCOIS LENOIR)
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Bei kaum einem Unternehmen wird so stark auf fallende Kurse spekuliert wie bei Tesla. Der Aktienkurs zeigt sich vorerst unbeeindruckt und erklomm kürzlich ein Rekordhoch.

Wien. Elon Musk hat wieder einmal alle Skeptiker überrascht. Der Tesla-Chef, der bei der Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Shanghai – der ersten Produktionsstätte des E-Autobauers außerhalb der USA – mit einem eigenartigen Tanz auf der Bühne für Aufsehen und Spott sorgte, hat allen Grund zu tanzen: Er hat wieder einmal geschafft, was er versprochen hatte und was ihm kaum jemand zugetraut hatte: Tesla hat im Endspurt sein hoch gestecktes Absatzziel von 360.000 bis 400.000 Fahrzeugen im Vorjahr überraschend tatsächlich erreicht: 367.000 Autos waren es letztlich.

 

Teurer als GM und Ford

Im dritten Quartal gab es unerwartet einen Gewinn von 143 Mio. Dollar, was Musk zwar versprochen hatte, Analysten angesichts der hohen Expansionskosten aber für unwahrscheinlich gehalten hatten. Und der Aktienkurs stieg binnen sieben Monaten um 180 Prozent auf knapp 500 Dollar. Am Mittwoch war Tesla mit 89 Milliarden Dollar an der Börse mehr wert als die beiden größten US-Autobauer General Motors und Ford zusammen, die jeweils fast 20-mal so viele Autos verkaufen wie Tesla.

Auch sollen die Vorbestellungen für den Pick-up Cybertruck hoch sein, und das trotz der missglückten Präsentation (eine bruchsichere Scheibe war zerbrochen, als man zu Präsentationszwecken eine Metallkugel dagegengeworfen hatte). Zudem ist Tesla auf Expansionskurs. Ab heuer will man in China, ab Mitte 2021 auch in Deutschland Autos produzieren.

Was für Aktionäre hocherfreulich ist, dürfte einer Gruppe von Investoren derzeit schlaflose Nächte bereiten: Short-Sellern, die auf fallende Kurse setzen und viel Geld verlieren könnten, wenn sich der Kurs des Elektro-Autobauers nicht bald in die gewünschte Richtung bewegt. Wie kaum ein anderes Unternehmen ruft Tesla regelmäßig Short-Spekulanten auf den Plan, meist Hedgefonds. 21 Prozent der verfügbaren Tesla-Anteilsscheine sollen laut CNN Business von Short-Sellern gehalten werden. In den vergangenen sieben Monaten sollen sie 8,4 Mrd. Dollar verloren haben, so viel wie mit keiner anderen Aktie. Elon Musk hält von Short-Sellern übrigens nicht viel, wie er sie regelmäßig wissen lässt.

Dabei schien es im Juni des Vorjahres noch, als hätten sie gute Karten. Der Tesla-Aktienkurs war auf 177 Dollar eingebrochen, da es Tesla nicht zu gelingen schien, die Produktion seines massentauglichen Model 3 hochzufahren. Aktionäre fürchteten, dass sich ein Spaß-Tweet von Musk bewahrheiten könnte: Im April 2018 hatte der Multimilliardär als „Aprilscherz“ getwittert, Tesla sei pleite.

Kurze Zeit nach diesem Scherz handelte sich Musk richtigen Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC ein. Im August 2018 – der Kurs der Tesla-Aktie lag bei etwa 340 Dollar – twitterte der Tesla-Chef, das Unternehmen um 420 Dollar je Aktie von der Börse nehmen zu wollen, die Finanzierung sei gesichert. Der Aktienkurs schnellte hoch, gab aber wieder nach. Es stellte sich heraus, dass die Finanzierung keineswegs gesichert war.

 

Millionenstrafe nach Tweet

Musk soll nur einen Spaß mit der Zahl 420 gemacht haben, die als Code für Marihuana gilt. Der Tesla-Chef – er liegt mit 30 Mrd. Dollar Vermögen im weltweiten Bloomberg-Reichen-Ranking auf Platz 29 – zahlte wegen Irreführung von Investoren nach einem Vergleich mit der SEC eine Strafe von 20 Millionen Dollar. Tesla ist noch immer an der Börse. Am 22. Dezember des Vorjahrs übersprang der Aktienkurs erstmals tatsächlich die Marke von 420 Dollar. „Whoa . . . the stock is so high, lol“ („Die Aktie ist so high“), twitterte Musk.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2020)