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Kabarett

Manuel Rubey: Papa wird auch bald erwachsen

„Freunde bleiben – das ist, wie wenn der Tierarzt dem kleinen Mädchen den toten Hamster zum Spielen wieder mit nach Hause gibt.“Manfred Baumann
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In seinem ersten Soloprogramm präsentiert sich Manuel Rubey als herziger Großstadtneurotiker.

Man möge gnädig zu ihrem Papa sein, sagen die süßen Mädchenstimmen aus dem Off. „Er ist vierzig, und jetzt traut er sich.“ Ein Soloprogramm auf die Bühne bringen, das traut er sich, der Manuel Rubey. Der umtriebige Schauspieler, Musiker und Kabarettist, der auf österreichischen Bühnen zuletzt meist entweder mit seiner Band, der Familie Lässig, oder seinem Kabarettpartner Thomas Stipsits zu sehen war, wagt sich nun allein ins Rampenlicht. Na gut, der „Goldfisch“, der dem Programm seinen Titel gibt, ist im Glas auch dabei. Wobei fraglich ist, ob dessen Lebensfunktionen noch intakt sind.

Denn die Bühnenfigur, die sich Rubey hier geschaffen hat, ist die eines Mannes, der ein bisserl überfordert ist – mit der Welt, dem Beziehungsleben, dem Vatersein, dem Goldfischsitten. Von Frau und Töchtern verlassen, lebt er jetzt in den Garderoben seiner Tour-Spielstätten (zum Glück gibt's da Nasszellen). Eine verunsicherte Bobo-Künstlerseele, auf sympathische Art hilflos, aber schlagfertig, macht er sich, was seinen Beziehungsstatus angeht, nichts vor: „Freunde bleiben – das ist, wie wenn der Tierarzt dem kleinen Mädchen den toten Hamster zum Spielen wieder mit nach Hause gibt.“

In pointierten Monologen spannt Rubey einen semi-autobiografisch angehauchten Bogen von der Kindheit in den verrauchten 1980er-Jahren über erste Bühnenniederlagen zum Alltag eines Großstadtneurotikers, der sich wiederholt vom Postler beim Prokrastinieren erwischen lässt (er sei nicht faul, erklärt er, er betreibe „Hochleistungs-Chillen“) und sich von seinen Kindern auf die Frage, ob sie denn schon wissen, was sie als Erwachsene werden wollen, anhören muss: „Nein, du?“ Dazwischen stimmt er Lieder an und trägt elegant Listen vor: „Arten, auf die man nur in Österreich verunglücken kann“ oder „Gründe, warum ich nicht Elternsprecher werden kann“.

Er teilt ein paar freche Spitzen aus (etwa gegen Andreas Gabalier und Nina Proll), nimmt aber vor allem die absurden Auswüchse der digitalisierten Gegenwart ins Visier – und das, ohne ins Rollenklischee eines selbstmitleidigen Modernisierungsverlierers zu fallen. Eine kabarettistische Neuerfindung ist das zwar dennoch nicht, aber clever und herzig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2020)