Bevölkerung

Weniger Türken, mehr 80-Jährige

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Wien wächst moderat weiter. Das größte Plus machen die Rumänen aus, die zwei stärksten Migrantengruppen wachsen nicht mehr. Manche Bezirke sind geschrumpft.

Wien. Der Boom ist einem gemächlichen Wachstum gewichen. Wuchs Wien vor wenigen Jahren noch rapide, ist die Zahl der Hauptstadtbewohner zuletzt nur moderat angestiegen: Das erklärte Klemens Himperle, oberster Statistiker der Stadt, am Freitag anhand von vorläufigen Zahlen: Im Vorjahr wuchs Wien um 0,7 Prozent. Wer dafür verantwortlich ist, wie es in den Bezirken aussieht – und warum die Zahl der Hochbetagten nach oben schnellt: die wichtigsten Entwicklungen.

Wien wächst moderat weiter

Wien wächst langsamer weiter als es – unter anderem wegen der Öffnung des Arbeitsmarkts für Ostländer 2011 und der Flüchtlingskrise – schon der Fall war (siehe Grafik). Im vergangenen Jahr sind 14.500 Menschen dazugekommen. Rund 17.000 Todesfällen stehen 19.500 Geburten gegenüber. Dazu kommen netto 12.000 Menschen, die aus dem Inland und dem Ausland nach Wien gezogen sind, das sind deutlich mehr als im Vorjahr. Mit knapp über 1,91 Millionen Einwohnern wird Wien nach dem Brexit am 1. Februar laut den Statistikern die fünftgrößte Stadt der EU sein, 2027 soll die Hauptstadt die Zwei-Millionen-Marke knacken.

Deutlich mehr Hochbetagte

Die Zahl der hochbetagten Wiener ist im vergangenen Jahr stark angestiegen – und das wird in den kommenden Jahren so weitergehen, was nicht zuletzt das Thema Pflege berührt. Hintergrund ist der sogenannte Anschluss-Babyboom, der mit einem geburtenstarken Jahrgang 1939 begann. Wer damals geboren ist, gehört seit 2019 zu den über 80-Jährigen, deren Zahl um 6600 Menschen (oder neun Prozent) gestiegen ist. Der Babyboom setzte sich bis 1944 fort. Insgesamt ist Wien 2019 um 1,5 Monate gealtert. Mit einem Durchschnittsalter von etwa 41 Jahren ist die Hauptstadt aber immer noch das jüngste Bundesland Österreichs.

Der Ausländeranteil steigt

Weiter leicht steigend ist der Anteil der Hauptstadtbewohner, die nicht in Österreich geboren sind (plus 0,4 Prozentpunkte). Knapp 37 Prozent der Wiener kommen aus dem Ausland – damit liegt Wien im europäischen Spitzenfeld. Nach großen Zuwächsen seit den Nullerjahren gehen die Statistiker aber davon aus, dass der Ausländeranteil in den kommenden 20 bis 30 Jahren unter 40 Prozent bleiben wird. Die größten Migrantengruppen nach Geburtsland sind in Wien die Serben mit knapp 90.000, die Türken mit rund 66.000 und die Deutschen mit gut 54.000, gefolgt von Polen und Bosniern.

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Rumänen versus Türken

Das größte Plus machen die gebürtigen Rumänen aus. Laut den Statistikern sind sie – die insgesamt die siebtgrößte Migrantengruppe stellen – schon länger vorn dabei. Ihre Zahl ist in Wien netto um 2100 Menschen gestiegen (siehe Grafik). Es folgen die Deutschen mit 1900 – und mit plus 1800 erst auf Platz drei jene, die in Österreich geboren sind. Deren Bilanz war vor einem Jahr (entgegen dem Trend) übrigens sogar negativ. Interessant: Die zwei größten Migrantengruppen stagnieren. In Wien leben derzeit gleich viele gebürtige Serben wie vor einem Jahr. Bei den Türken sind es sogar um rund 300 weniger, ähnlich wie schon im Vorjahr. Die Erklärungen der Statistiker: weniger Zuwanderung und die Tatsache, dass die Gastarbeitergeneration älter wird – inklusive Todesfällen und Pensionisten, die (wieder) wegziehen. Dafür wird heuer ein Plus von 2000 bis 3000 bei den Kroaten erwartet. Für sie wird im Juli der EU-Arbeitsmarkt geöffnet.

Weniger kommen aus Syrien

Die Anzahl der Menschen aus den klassischen Flüchtlingsländern ist weiter steigend – aber deutlich weniger stark als in den vergangenen Jahren. Mit plus 1000 liegen die Syrer ex aequo mit den Bulgaren auf Platz vier in der Wachstumsbilanz, gefolgt von den Afghanen. Afghanen, Syrer, Iraner und Iraker gemeinsam verzeichnen ein Plus von 2500 Menschen. Zum Vergleich: Am Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 machten diese vier Herkunftsländer mit fast 15.000 Menschen rund ein Drittel des gesamten Nettozuwachses aus. Aktuell leben in Wien rund 25.000 Syrer und rund 19.000 Afghanen.

Die Außenbezirke wachsen

Wien wächst nicht überall gleich stark – im Gegenteil: Während die Außenbezirke tendenziell zulegen, stagnieren oder schrumpfen die inneren Bezirke (siehe Grafik). Ein deutliches Minus verzeichnet der nicht sehr einwohnerstarke erste Bezirk mit 3,2 Prozent, auch Neubau ist 2019 um 1,5 Prozent geschrumpft. Das stärkste Wachstum weist Liesing auf (plus 3,9 Prozent), gefolgt von Döbling und der Donaustadt. Die Statistiker führen das darauf zurück, dass die Wiener nach der Verdichtung in den Innenbezirken nun vermehrt nach draußen, in die neuen Stadtentwicklungsgebiete ziehen. Interessantes Detail: Während ein Haushalt in Neubau 1,8 Menschen stark ist, wohnen in der Donaustadt im Schnitt 2,2 Menschen zusammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2020)

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