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Theaterkritik

Thomas Bernhards Zorn wird modisch gezähmt

Finale von „Heldenplatz“: Familie, Personal und Gäste warten auf die Witwe.(c) Karelly Lamprecht

Im Schauspielhaus Graz wurde nun doch einmal »Heldenplatz« aufgeführt. Dem Requiem des einst großen Erregers fehlte allerdings phasenweise sarkastischer Biss.

Frau Zittel ist ein Mann. Regisseur Franz-Xaver Mayr, im Waldheim-Wahljahr 1986 geboren, hat sich dazu entschlossen, die Rolle der resoluten Wirtschafterin in Thomas Bernhards „Heldenplatz“ mit Florian Köhler zu besetzen. Der erfüllt die erste Szene des Kammerspiels auch mit dem nötigen Elan. Da steht die Zittel bei der Premiere am Freitag im Schauspielhaus Graz, im knielangen türkisen Kleid, mit weißen Strümpfen, weißer Schleife, Perlenkette, und erinnert sich an ihren Dienstgeber, zu dem sie eine enge Bindung hatte: Professor Josef Schuster ist vor Kurzem gestorben, heute ist sein Begräbnis. Köhler beherrscht Bernhards Phrasierungen perfekt. Raphael Muff als Hausmädchen im karierten Arbeitskleid und weißem Schürzchen assistiert ihm schräg. Die Pointen sitzen.