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Glosse

Boeing-Abschuss über dem Iran: Ein Geständnis mit offenen Fragen

Am 3. Juli 1988 schoss der Kreuzer USS Vincennes über dem Persischen Golf einen iranischen Airbus ab. 275 Menschen starben, darunter 66 Kinder.

Computer und Offiziere des Schiffs, das sich gerade mit iranischen Booten herumschlug, hatten den Airbus als Kampfjet gesehen und nach mehreren Warnungen, die er aus unklaren Gründen ignorierte, Raketen gestartet. Die Regierung Reagan bestätigte den Vorfall, betonte bald aber „unglückliche Umstände“ und belobigte den Captain. Erst 1996, unter Bill Clinton, wurden Entschädigungen bezahlt. Eine Entschuldigung gab es nie.

Der Iran hat nun drei Tage gebraucht, um den irrtümlichen Abschuss der ukrainischen Boeing einzugestehen. Aber immerhin: Man hat das relativ schnell getan. Und sich zerknirscht entschuldigt: Der Jet sei für einen Marschflugkörper gehalten worden. Auch Entschädigungen dürften schneller fließen. Das ist ein gutes, ja ehrenvolles Zeichen. Aber man muss schon fragen, wieso der Iran den Flugverkehr nicht sperrte, obwohl er zuvor US-Basen im Irak beschossen hatte und einen Gegenschlag fürchtete. Diese Frage gilt auch für Fluglinien, die im Wissen über die explosive Lage dort einfach weiterflogen. wg


[Q3IY0]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2020)