Ein ausgetrocknetes Flussbett in Indien. Das Land, stark betroffen vom Klimawandel und abhängig von fossilen Importen, baut künftig auf Erneuerbare.
Rohstoffe

Wer die grüne Welt regiert

Der Schritt weg von Öl und Gas bringt die Geopolitik ins Wanken. Kobalt- und Lithium-Lieferanten lösen die Ölstaaten als Brandherde ab. Zur grünen Weltmacht werden aber andere.

Die kurze Reaktionszeit der Rohstoffhändler ist beachtlich. Kaum wurde bekannt, dass die USA den legendären iranischen General Qasem Soleimani getötet haben, spielte der Ölpreis verrückt. Eine militärische Eskalation im Nahen Osten würde den Ölpreis flugs über hundert Dollar treiben, hieß es. Inzwischen ist die große Krise vorerst abgesagt. Die Unruhe aber bleibt.

Episoden wie diese machen deutlich, wie fragil eine Welt ist, die nach über hundert Jahren immer noch so stark von fossiler Energie abhängt. Seit Winston Churchill nach dem ersten Weltkrieg entschieden hat, die britische Flotte von heimischer Kohle auf importiertes Erdöl umzustellen, ist das Schicksal der meisten Weltmächte eng mit dem ihrer Öllieferanten verwoben. Doch diese Ära geht zu Ende.

Nicht nur im türkis-grün regierten Österreich steht der Abschied von den Fossilen bevor. Auch in Ländern wie China, Indien und sogar in den USA sind die Erneuerbaren auf dem Vormarsch. 80 Prozent der Weltbevölkerung lebt in einem Land, das von Öl- und Gasimporten abhängig ist. Wind-, Wasser- und Solarkraftwerke versprechen ihnen mehr Sicherheit, Versorgungssicherheit und Autonomie. Doch die grüne Zukunft hat mehr im Gepäck: Sie bringt auch neue Konfliktherde, Allianzen und Weltmächte.