Ein 8K-Fernseher auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, aufgenommen vergangene Woche
8K

Die Fernseher der Zukunft

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas war das Topthema 8K-Fernseher. Hochauflösende Geräte zwischen Messentrend und Massenmarkt.

Seit 1998 findet in Las Vegas jährlich die Consumer Electronics Show statt und die Messe bereitete schon mehrmals die Bühne für Innovationen und Neuvorstellungen aus dem Technikbereich. Dazu zählen zum Beispiel der Videorekorder, das Spiel Pong, der Commodore 64 sowie die kultige Nintendo-Konsole NES. Nicht nur Kassenschlager kann sich die Messe auf die Fahnen heften, auch formidable Flops wie Apples Spielekonsole Pippin, die Microsoft Spot Smartwatch oder 3-D-Fernseher. Ungewiss ist die Zukunft der 8K-Fernseher, die in irren Dimensionen jenseits der 100-Zoll-Grenze in Las Vegas dargeboten wurden.

Der Hit im Wohnzimmer? 2019 wanderten die ersten 8K-Fernseher über den Ladentisch. Die Stückzahl bis dato ist kaum relevant. Im niedrigen vierstelligen Bereich sollen sich die Verkäufe weltweit bewegen. Die Gründe dafür sind schnell ausgemacht: Hohe Preise und fehlende Inhalte. Geräte mit einer Auflösung von 7680 x 4320 Pixel) kosten 5000 Euro aufwärts, abhängig von Bildschirmgröße und -technologie. Die Preishürde versuchen Hersteller mit pfiffigen Ideen wettzumachen.

Samsung präsentierte zum Beispiel einen Fernseher, den man horizontal und vertikal verwenden kann, natürlich in 8K-Auflösung. Damit reagiert der südkoreanische Hersteller auf den zunehmenden Trend, dass Filme mit dem Smartphone meist nur noch im Hochformat aufgenommen werden. Ebenfalls spannend der „Samsung Active Voice Amplifier“. Stören beim Fernsehen Geräusche wie die Küchenmaschine oder der Staubsauger, soll die Klangqualität automatisch angepasst werden.

Beim Mitbewerber LG setzt man auf eine andere Strategie und brachte gleich acht Geräte mit 8K nach Las Vegas. Die neuen Produkte seien zukunftssicher und erlaubten ihren Anwendern „mehrere Möglichkeiten, um echte 8K-Erlebnisse zu genießen”, lässt das Unternehmen wissen. Wie auch bei Samsung soll ein Prozessor hochrechnen, um niedrig auflösenden Filmen und Programmen ein visuelles Upgrade zu verpassen. Das soll die Technologie, unabhängig von Samsung und LG, automatisch und ohne weiteres Zutun erledigen.

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Preise oder gar einen Verkaufsstart nannten die beiden Hersteller für ihr TV-Line-up noch nicht. Erwartet werden sie aber noch in diesem Jahr. Eile herrscht aber nicht.

Alles braucht seine Zeit. Zum Vergleich: 2012 wurden die ersten 4K-Geräte (4096 x 2160 Pixel) vorgestellt. Ein Jahr später wurden die ersten Modelle tatsächlich erst gekauft. Drei bis vier Jahre später erreichten diese den Massenmarkt. Aktuell liegt der Marktanteil bei den hochauflösenden Geräten bei 61Prozent der verkauften Modelle, zeigt eine Studie des Marktforschungsinstituts GfK. Das liegt einerseits daran, dass die Preise für 4K-Geräte immens gefallen sind in den letzten Jahren und dass es nun tatsächlich immer mehr verfügbare 4K-Inhalte gibt. Streaming-Anbieter wie Netflix, Sky, Amazon-Video oder You Tube bieten bereits Filme und Serien in UHD an. Netflix und Sky lassen sich das hochauflösende Material aber auch einiges kosten, das entsprechende Abspielgerät vorausgesetzt, das eine horizontale Auflösung von knapp 4000 Pixel bietet.

Ein Schicksal wie den eingangs erwähnten 3D-Fernsehern droht den 8K-Geräten nicht. Auch wenn das menschliche Auge kaum noch einen Unterschied zwischen den hochauflösenden Inhalten erfassen kann, verändert es nicht das Nutzerverhalten. Bei 3D steht die Brille dem gemeinsamen Erlebnis im Weg. Das ist bei 8K nicht der Fall. Außerdem steigt das Bedürfnis nach immer größeren Bildschirmformaten. Waren vor einigen Jahren Geräte mit 40 Zoll gefragt, sind es heute 55 Zoll. Tendenz steigend, das passende Wohnzimmer vorausgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2020)