Schnellauswahl
Quartalsbilanzen

US-Banken scheffeln wieder ihre Milliarden-Gewinne

Kaum zu glauben, wie viel US-Banken verdienen
Kaum zu glauben, wie viel die größten US-Banken verdienenAFP (JOHANNES EISELE)
  • Drucken

JP Morgan verdiente laut Analysten acht Milliarden Dollar im vierten Quartal 2019. Niedrige Leitzinsen kurbeln Verbraucherkreditgeschäft an. Globale Unsicherheiten lasten auf dem Investmentbanking

Anleger europäischer Bank können sich angesichts der Milliardengewinne der amerikanischen Rivalen nur die Augen reiben. Im Vorjahr haben JP Morgan & Co wieder satte Gewinne eingefahren, während etwa die Deutsche Bank einen riesigen Verlustberg anhäufte. Profitiert haben die US-Häuser vor allem von einem florierenden Kreditkartengeschäft, da Verbraucher wegen niedriger Zinsen mehr auf Pump kauften.

Die größte US-Bank JP Morgan, die am Dienstag zusammen mit der Citi und Wells Fargo Einblicke in die Bilanzen des Schlussquartals gibt, hat nach Einschätzung von Experten von Oktober bis Dezember 2019 rund 8 Milliarden Dollar (7,2 Milliarden Euro) verdient. Bei der Citi dürfte sich der Quartalsgewinn erneut auf fast 5 Milliarden Dollar belaufen. Beide Häuser haben ihr Verbraucherkreditgeschäft in den vergangenen Jahren ausgebaut. "Für die Banken ist das ein sehr profitables Geschäft", sagt Analyst Gerard Cassidy vom Investmenthaus RBC Capital Markets.

Im Gesamtjahr 2019 dürfte JP Morgan 33,4 Milliarden Dollar verdient haben, Wells Fargo 19,7 Milliarden Dollar, die Citigroup 17,2 Milliarden Dollar, die Bank of America 27,1 Milliarden Dollar, Goldman Sachs 8,3 Milliarden Dollar. Die größten europäischen Banken stehen da vergleichsweise arm da: Der spanischen Großbank Santander wird von Analysten ein Jahresgewinn von 6,3 Milliarden Euro zugetraut,  die französische BNP Paribas könnte 7,7 Milliarden Euro verdient haben, die britische HSBC umgerechnet laut Schätzung immerhin 14,4 Milliarden Dollar.

Konsumentendarlehen stark gefragt

Laut Daten der US-Notenbank Fed hatten die 25 größten US-Banken Ende Dezember 1,2 Billionen Dollar an Konsumentendarlehen ausgereicht. Das waren um 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Eigenheimkredite legte deutlich zu, was Anbietern wie Wells Fargo zugute kommt. Die Fed hatte die Leitzinsen im Oktober auf die Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent gesenkt, um die etwas schwächer gewordene Wirtschaft anzukurbeln.

Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten - einige Banken berichteten im Darlehensgeschäft zuletzt über eine steigende Zahl fauler Kredite. Laut einer Fed-Studie würden 39 Prozent der Amerikaner ins Straucheln kommen, wenn sie eine unerwartete Belastung von 400 Dollar stemmen müssten. Sollte die Arbeitslosigkeit, die auf dem tiefsten Stand seit mehreren Jahrzehnten ist, wieder zunehmen, werde das sicherlich zu einigen Problemen bei Banken führen, sagt Analyst Fred Cannon vom Marktforschungsinstitut Keefe, Bruyette & Woods.

Schon im dritten Quartal mussten die US-Banken eine höhere Risikovorsorge treffen für ausfallgefährdete Kredite. Laut einer Studie der Analysefirma Risk Quantum war der Anstieg bei JP Morgan am stärksten. Genau hinsehen dürften Anleger diesmal auch bei den Quartalsergebnissen von Goldman Sachs am Mittwoch. Das Institut hat seine Sparten neu organisiert und gibt erstmals Einblick in den neu aufgebauten Privatkundenbereich um die Online-Bank Marcus. Am Mittwoch berichtet auch Bank of America über den Verlauf des vierten Quartals, am Donnerstag folgt Morgan Stanley.

Mit Argusaugen werden Anleger auch darauf schauen, wie viele Erträge die US-Banken aus dem Investmentbanking geschöpft haben. Die Unsicherheiten um den Handelsstreit zwischen den USA und China belasten die Kapitalmärkte seit Monaten, zuletzt kam noch die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten hinzu. Im dritten Quartal hatte JP Morgan mit guten Geschäften im Anleihehandel noch selbst seine heimischen Rivalen in den Schatten gestellt.

(APA/Reuters)