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Sportpolitik

„Dem IOC geht es bei Olympia nicht um Geld“

IOC-Präsident Thomas Bach.
IOC-Präsident Thomas Bach.(c) REUTERS (DENIS BALIBOUSE)
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IOC-Präsident Thomas Bach gewährte bei den Jugendspielen in Lausanne eine höchst seltene Audienz. Der Deutsche sprach über Sinn der Spiele, Geld, Politik, Korruption, Visionen. „Olympia in Österreich? Warum nicht!“

Villars. Ob Olympia oder Jugendspiele, veranstaltet das Internationale Olympische Komitee ein Event, ist alles bis ins kleinste Detail geregelt. Ablauf, Farben, Bewerbe – selbst der Auftritt des IOC-Präsidenten, Thomas Bach. Auch in Lausanne, wo derzeit die dritten Winterspiele für Jugendliche in Szene gehen und Österreich mit 63 Aktiven am Start ist. Trotzdem gab es eine Premiere: Bach nahm sich für österreichische Journalisten bei der Zugfahrt nach Villars Zeit.

Bach, 1976 Fecht-Olympiasieger im Team und seit 2013 als IOC-Chef einer der mächtigsten Sportfunktionäre, war nahbar. Der Deutsche, 67, flachste, lachte – das erste Fünf-Ringe-Event in der Heimat des IOC seit 1948 begeistert. „Das Konzept überzeugt, für den Sport, die Veranstalter, die Athleten. Früher wusste keiner, was diese Spiele sind, wofür sie stehen. Es ist Spaß und auch eine Art Laboratorium – wir testen neue Sparten.“

Lausanne ist geschmückt, erhielt eine neue Eishalle, die in zehn Tagen der lokale Eishockeyverein dankbar übernimmt – „und mit Bewerben wie dem Ski-Mountaineering erleben wir auch neue Begeisterung“, sagt Bach. Skibergsteigen bzw. Tourengehen ist in dieser Form zwar innovativ, nur ob es ein Muss für Winterspiele ist?

 

Das Zögern der Europäer

Auch bei den Sommerspielen in Tokio ab Mitte Juli werden fünf neue Events (u. a. Klettern und Karate) ihr Debüt feiern. Das IOC öffne sich, für neue Märkte, Sparten, „für Menschen“, wie der IOC-Präsident diplomatisch einwarf. Und die Metropole? „Alle Bauten sind seit sechs Monaten fertig, es ist die tollste Olympiastadt.“

Dass weiterhin ein gehöriges Misstrauen gegenüber Olympia, seinen Machern und Folgen herrscht, ist Bach bewusst. Er hält „aber Europa derzeit in jeder Hinsicht für einen zögerlichen Kontinent“ und sieht Asien voraus. Dass Skepsis durch Einnahmen-Maximierung, seine Nähe zu Wladimir Putin und ewige Doping- oder Korruptionsskandale weiterhin gedeiht, wollte er ganz anders verstanden wissen. „Wir sind als Leading Force im Kampf gegen Korruption bekannt, arbeiten mit Interpol zusammen und haben stets, auch bei internen Vorfällen, sofort gehandelt.“

Auch sei Geld weder das höchste Gut noch das Ziel des IOC, beteuert Bach – trotz neuer Milliarden-Umsätze. 90 Prozent der Einnahmen würden ohnehin an die 206 nationalen Komitees, auch Österreich, prompt weitergegeben, „um Nachwuchssport zu fördern“. Nur, das lese er eher selten. Bach kennt seine Gegner, er sagt: „In Deutschland gibt es eine Handvoll Journalisten, für die ich seit 15 Jahren keine richtige Entscheidung getroffen habe. Wäre es jetzt plötzlich anders, würde ich mir schon ernsthaft Sorgen machen.“

Sorgen bereitet hingegen die Russland-Causa. Der Sport sei in Verruf geraten, es herrsche Unklarheit, man brauche ein Urteil, verlangt der IOC-Chef. Der Ball liegt nach der Dopingsperre (für Russland bis 2024) und dem Einspruch beim Sportgerichtshof CAS, der übrigens auch in Lausanne angesiedelt ist. „Das IOC hofft auf ein schnelles Urteil. Eines, das keinen Spielraum mehr offen lässt. Es muss Klarheit herrschen.“

Bach, der heuer noch bekannt geben muss, ob er für vier weitere Jahre als IOC-Präsident kandidieren wolle, sagte es ohne Groll, Druck oder Hemmung. Man sollte alles stets besonnen betrachten. Wird es also jemals wieder Spiele in Österreich geben? Er lächelte milde. „Das hängt von euch ab. Wenn man sie haben will, worüber sich viele freuen würden, muss man mit dem IOC in Dialog treten.“ Und falls nicht, ob Misstrauen, Votum oder fehlende politische Mittel, auch gut. Beim IOC ist alles geregelt, bis ins kleinste Detail. 2022 (Peking), 2024 (Paris), 2026 (Cortina) und 2028 (Los Angeles) sind vergeben – das Geschäft mit den fünf Ringen gedeiht besser denn je.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2020)