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Wirecard: Aufsichtsratschef geht

(c) REUTERS (Wolfgang Rattay)

An der Arbeit der Aufseher hatte es Kritik gegeben.

Aschheim/München. Die Anleger reagierten am Montag erfreut auf die Ankündigung des Zahlungsdienstleisters Wirecard, seinen Aufsichtsratschef auszuwechseln. Wulf Matthias räumt den Chefsessel mit sofortiger Wirkung für Thomas Eichelmann, der zuletzt den Prüfungsausschuss im Gremium leitete. Matthias war seit 2008 Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats. Eichelmann war erst auf der Hauptversammlung vergangenes Jahr bestellt worden.

Matthias werde bis zum Ende seiner Amtszeit im Sommer 2021 dem Aufsichtsrat als gewöhnliches Mitglied angehören, hieß es weiter. Begründet wurde das Vorgehen mit dem Wunsch des 75-Jährigen, einen Generationenwechsel einzuleiten. Doch hatte es auch Kritik von Investoren an der Arbeit der Aufseher gegeben. Derzeit läuft eine Sonderprüfung der Bücher durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG. Regulärer Buchprüfer bei Wirecard ist EY. Wirecard hatte sich zu dem Schritt entschlossen, um immer wieder aufkeimende Medienberichte um angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung zu entkräften.

 

Schwächster DAX-Wert 2019

Mit dem Machtwechsel im Aufsichtsrat rückt nun ein langjähriger Gefährte von Wirecard-Vorstandschef Markus Braun bei der Steuerung des wachstumsstarken Konzerns in die zweite Reihe. Ein Händler sagte, Eichelmann dürfte Braun als Aufsichtsratschef mehr Paroli bieten. Matthias' Beziehung zu Braun sei von einigen Investoren als zu eng angesehen worden, schrieb Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe. Eichelmann sei Experte für Buchführung und Prüfung.

Wirecard steht seit geraumer Zeit unter Beschuss. Vor allem die britische „Financial Times“ veröffentlicht rund um das Unternehmen seit Längerem kritische Berichte, die zwar von Wirecard stets dementiert wurden, den Aktienkurs aber wiederholt ins Wanken gebracht haben.

Im Vorjahr war das bei Kleinanlegern äußerst beliebte Papier mit einem Minus von 19 Prozent der schwächste DAX-Wert. Heuer findet es sich mit einem Plus von fünf Prozent bis dato unter den Bestperformern. (DPA-AFX/b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2020)