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Der ungeliebte Donau-Oder-Kanal

ungeliebte DonauOderKanal
Donau(c) FABRY Clemens
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Wird der umstrittene Donau-Oder-Kanal ausgebaut? In der Lobau ist man strikt dagegen, Pläne für eine Variante auf slowakischer Seite gibt es weiter.

Hinter dem Roten Hiasl, dem legendären Wirtshaus am Tor zur Lobau, beginnt für viele Wiener die andere Art des Badens. Wer der Hektik der Donauinsel und der Alten Donau entfliehen will, wandert zu den dortigen Naturbadestränden am Beginn des Nationalparks. Unter anderem lockt der Donau-Oder-Kanal mit klarem Wasser.

Doch kaum einer der Badegäste denkt daran, dass es sich bei dem Lobau-Idyll um ein in der Kriegszeit gebautes Provisorium handelt und dass der Donau-Oder-Elbe-Kanal als Schifffahrtwasser geplant war, auf dem Lastkähne ihre Fracht bis an die Nord- bzw. Ostsee bringen können.

Schiffe im Badeteich? Vergangene Woche wurde das umstrittene Megaprojekt Donau-Oder-Kanal wieder zum Thema. Denn im Parlament in Wien ist das Wasserstraßen-Abkommen (AGN) ratifiziert worden, ein EU-Vertrag, der den Ausbau europäischer Wasserwege regelt. Und nach Interpretation der Grünen und einiger Umweltorganisationen verpflichte sich Österreich damit unter anderem, den Donau-Oder-Kanal auszubauen.

Bei den unmittelbar Betroffenen kann sich das niemand vorstellen. Norbert Scheed, SP-Bezirksvorsteher der Donaustadt: „Ja, die Diskussion gab es in den Achtzigerjahren, als sogar Vizebürgermeister Mayr das Projekt gepusht hat.“ Aber heute? „Das hier ist Naherholungsgebiet, den Kanal zu aktivieren wäre ein Rieseneingriff in den Nationalpark.“ Eine abstruse Vorstellung für den Bezirkschef.

Auch jenseits des Stadtgebietes, in Groß Enzersdorf, ist der Kanal kein Thema. Am niederösterreichischen Teil des Donau-Oder-Kanal stehen schmucke Badehäuschen. Bürgermeister Hubert Tomsic kann sich daher partout nicht vorstellen, dass der Kanal zu einer Wasserstraße werden könnte.

Pläne für eine solche Verbindung zwischen Donau und Oder bzw. Elbe soll schon Kaiser Karl IV. im 14. Jh. gehabt haben. Doch es blieb den Nazis vorbehalten, den Kanal 1939 einige Kilometer in Angriff zu nehmen. In den 90er-Jahren stockte dann das Projekt, nicht zuletzt wegen des Widerstandes von Niederösterreich.

Die Befürchtung, dass das vergangene Woche unterzeichnete Wasser-Abkommen das Milliardenprojekt jetzt wieder belebt, wird im zuständigen Verkehrsministerium in Wien strikt zurückgewiesen. Das AGN-Abkommen verlange nicht, dass Österreich einen Kanalausbau pushen müsse. Außerdem sei so ein Projekt ja nicht einmal im Generalverkehrsplan vorgesehen.

Während aber die „Lobau-Variante“ des Kanals heute so gut wie fix abgesagt ist, liegt Version zwei noch auf dem Tisch: Der Donau-Oder-Elbe-Kanal soll gleich hinter der österreichischen Grenze im slowakischen Theben starten, und dann die March entlang nördlich führen. Eine Variante, die seit etwa zwei Jahren von der Slowakei und von Tschechien favorisiert wird. Österreich wäre daran nicht direkt beteiligt.

„Das wäre trotzdem ein massiver Eingriff in das Ökosystem der March, die ja zur Hälfte ein österreichischer Fluss ist“, warnt Gerhard Egger vom WWF (World Wildlife Fund). Die Wasserstraße wäre ökologisch eine Katastrophe. Im Verkehrsministerium ist Entwarnung angesagt: Man habe den Nachbarn bereits deutlich signalisiert, dass Österreich im Gebiet der March ganz stark auf Ökologisierung und Renaturalisierung setze.

Also stockt auch Version zwei. Vielleicht für längere Zeit, denn angesichts der Wirtschaftskrise wäre es schwierige, die errechneten Projektkosten von rund zehn Milliarden Euro aufzubringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2010)