Zaren? Gibt's keine!

Eigentümer, die redaktionell mitgestalten.

Mit Hans Dichand ist in der vergangenen Woche der einzige Medienbesitzer gestorben, den man hierzulande als „Medienzar“ bezeichnen konnte. Der Gründer und Hälfteeigentümer der „Krone“ (samt 50-Prozent-Anteil an der Mediaprint) regierte den Boulevard – wirtschaftlich, verlegerisch, redaktionell. Mit der geballten Kraft von 2,85 Millionen Lesern im Rücken kampagnisierte er für seine Überzeugungen (von Hainburg bis Barbara Rosenkranz). Für diese manchmal fast starrsinnige Unabhängigkeit wurde er von der Politik gefürchtet. Kaum anzunehmen, dass sich jemand ähnlichen Kalibers findet, der in seine Fußstapfen treten kann. Sohn Christoph wird das eher nicht zugetraut.

Und dann? Kommt lange nichts. Wolfgang Fellner fällt einem ein. Er gründete u.a. „News“, „Format“ und „Woman“, die mittlerweile alle zur News-Gruppe gehören. Seine Zeitung „Österreich“ gehört zu fünf Prozent dem Herausgeber, der Rest einer Privatstiftung der Familie. Auch vor „WoFe“ neigt sich die Politik (und spendiert viel Geld für Kampagnen), sein manischer Drang, Artikel bis zur Unkenntlichkeit umzuschreiben, macht ihn zwar zum ambitionierten Medienmacher – bei 670.000 Lesern ist die Marktmacht jedoch überschaubar.

Zu den Eigentümern, die sich aktiv um redaktionelle Belange kümmern, zählt auch Oscar Bronner, der nach „Trend“ und „Profil“ 1988 den „Standard“ gründete. Seit dem Ausstieg des Süddeutschen Verlags 2008 gehört die Zeitung Bronner und einer Stiftung der Familie. Der ruhige, besonnene Mann mit der sonoren Radio-(Werbe-)Stimme tritt etwas leiser, aber nicht minder bestimmt auf, wenn es um Zeitungsinhalte geht. Er versteht sich als Player im Qualitätssegment – die „SN“ nannten ihn deshalb „Antiboulevardist“.

Womit wir in den Bundesländern wären: Bei Eugen Russ, der mit seinem multimedial agierenden Vorarlberger Medienhaus („VN“) Geschäfte bis nach Rumänien macht; bei Rudolf Cuturi,dessen Familie die „OÖN“ gehören, deren Herausgeber er ist; oder bei Max Dasch, dessen Vater schon die „Salzburger Nachrichten“ herausgegeben hat, die der Familie gehören. Sie sind regionale Kaiser. Zaren sind sie nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2010)

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