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Kabarett

Thomas Maurer ist gar nicht so deppert

Die Premiere des neuen Kabarettprogramms war im Stadtsaal.(c) Clemens Fabry

In seinem Programm „Woswasi“ improvisiert der Kabarettist über das Thema Hirnforschung.

„Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt: Warum bin ich eigentlich so deppert?“ Diese (doppelte) Frage war und ist die zentrale Frage der Wiener Kabarettistenschule der 1990er-Jahre. Und so ist es schön, dass Thomas Maurer, einer ihrer wichtigsten Vertreter, sein Programm „Woswasi“ just mit ihr beginnt.

Er stellt sie, zwanglos auf der Bühne stehend, in bequemer Alltagskleidung, mit unauffälligem Haarschnitt, etwas gehetzt vielleicht. Natürlich ohne Requisiten, die braucht man nicht, wo einer sich und mit sich spielt. Beziehungsweise in und mit seinem Hirn, inspiriert durch „Schnelles Denken, langsames Denken“ des Psychologen Daniel Kahnemann. Dieses populärwissenschaftliche Werk ist 2012 auf Deutsch erschienen, ist seither in so gut wie allen Buchhandlungen prominent platziert, nun offensichtlich auch in Maurers Hände geraten und auf diesem Umweg in sein neues Kabarettprogramm. Wo es auch physisch präsent ist: Also doch ein Requisit! Als zweites solches wird ein Bleistift folgen, mit dem Maurer seine Gefühlszustände oral manipuliert, als drittes schließlich... Nein, hier wird nicht gespoilert.

Streit der Instanzen im Hirn

Hat Maurer seinen Kahnemann auch gelesen? Ja. Und das reicht als Input für geistreiches Kabarett? Ja. Wobei natürlich ein bisserl Lebenserfahrung dazukommt, Maurer ist schließlich auch schon 51, er war wie die meisten Kabarettisten seiner Generation Ministrant, er hasst die Schlümpfe und sagt noch Truthahn oder gar Indian und nicht Pute, er hat noch die Stadtbahn und bereits eine Koloskopie erlebt, leider nur bewusstlos, denn er bekennt sich als „komfortneutraler Erlebnissammler“.

Schade, dass der grantige ältere Herr, der in seinem Hirn die zuständige Instanz für das Rekapitulieren von Erlebnissen ist, so renitent ist! Dafür streiten sich ebendort der joviale, fürs schnelle Denken zuständige Fredl und der streng rationale, aber oft etwas abwesende Alfred, bis beide ermahnt werden: „Der anzige, der do i is, bin i!“ Und der will gern Herr im eigenen Haus sein...

Aus diesem erfährt man weiters u. a., was die Truthahnillusion ist, wie Maurers Tante hieß sowie dass man nicht weiß, wie ein Reißverschluss funktioniert. Ein bereichernder Abend.