Besonders bei Jungen erlebt der Nachtzug derzeit einen Aufschwung.
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Die Renaissance des Nachtzugs

Mit der Bahn durch die Nacht zu reisen, ist für viele attraktiv wie lange nicht - nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Die Nightjets der ÖBB liegen auf Erfolgskurs und sind europaweites Vorbild. Mit neuen Verbindungen und Garnituren investieren die ÖBB weiter in das Zukunftskonzept.

Zu aufwendig, zu teuer: Das waren 2016 die Gründe für die Deutsche Bahn, ihre City Night Line, also alle deutschen Nachtzüge mit Liege- und Schlafwägen, einzustellen. Billige Flüge hatten der Bahn das Geschäft abgezogen. Die ÖBB sprangen damals ein – und übernahmen einige der Schlafwagen und -Verbindungen, zum Beispiel von München nach Italien. Mit Zürich - Berlin wurde erstmalig eine Verbindung außerhalb von Österreich geschaffen.

Ab 19. Jänner 2020 erweitern die ÖBB das Nightjet-Angebot neuerlich und fahren sonntags und mittwochs von Wien bzw. Innsbruck nach Brüssel, ab Dezember 2020 ist eine neue Nachtzugverbindung nach Amsterdam geplant.

Zukunftsweisende Entscheidung

Die ÖBB investierten in Nachtzüge, während andere Bahnunternehmen in Europa ihre Schlafwagen aufs Abstellgleis stellten. Kaum jemand sah kommen, dass Nachtzüge infolge der Klimadebatte für Reisende wieder so attraktiv werden würden; auch wegen der „Flugscham“ erleben die Schlafwagen eine Renaissance und renommierte Zeitungen wie die „New York Times“ und „The Guardian“ berichten über das Angebot der ÖBB. Jetzt wird in Deutschland wieder ein Ausbau des Nachtzugnetzes überlegt, die deutschen Grünen etwa sehen Österreich darin als Vorbild.

ÖBB/ Marek Knopp

Auch in Schweden soll das Angebot in Zukunft ausgebaut werden. In den Niederlanden und Belgien steigt die Nachfrage ebenfalls. Schweizer Parlamentarier fordern indes ein Wiederaufleben des Nachtverbindungsangebots welche die Schweizer Bundesbahnen (SBB), vor zehn Jahren eingestellt haben.

„Unsere Entscheidung, europaweit ins Nachtzuggeschäft einzusteigen, war goldrichtig“, bewertet Andreas Matthä, Vorstandsvorsitzender der ÖBB, die Strategie im Nachhinein. Die Auslastung der Nightjets steigt stetig. Die Anzahl der Reisen stieg 2019 auf 1,5 Millionen Reisende.

Komfort im Nightjet

In den ÖBB Nightjets gibt es drei Komfortkategorien: Die günstigste Reisemöglichkeit ist der Sitzwagen. Hier teilt man sich maximal zu sechst ein Abteil oder bucht ein eigenes Privatabteil zum Pauschalpreis. Im Liegewagen nächtigt man im Vierer- oder Sechser-Abteil. Decken, Leintücher und Polster gehören zur Standardausstattung. Auch diese Abteile können für mehr Privatsphäre als Privatabteile gebucht werden.

Frühstück inklusive gibt es sowohl im Liege-, als auch im Schlafwagen, der komfortabelsten Reisemöglichkeit. Im Schlafwagen reisen eine bis maximal drei Personen in einem Abteil. Im Standardabteil gibt es neben vollwertigen Betten ein eigenes Waschbecken, in der Deluxe-Version zusätzlich eine eigene Dusche und ein WC.

Investments und Ausbau

Um auf die große Nachfrage zu reagieren, haben die ÖBB im vergangenen Jahr 13 neue Nightjet-Garnituren bestellt. Die Nightjets der neuen Generation werden aus zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen bestehen und sollen ab Ende 2022 auf Schiene sein. Sie punkten mit modernem Design und verbessertem Service: So gibt es im Liegewagen künftig „MiniSuiten“ für Alleinreisende, im Schlafwagen werden eigene Toiletten und Duschmöglichkeiten zum Standard. Neu ist auch das kostenfreie WLAN, das es bisher nur in den Railjet-Garnituren gab.

Mittlerweile sind die ÖBB mit 19 eigenen Linien (und zusätzlichen acht, die mit Partnern betrieben werden) der größte Anbieter von Nachtzügen in Europa. Das Unternehmen bietet als einziges länderübergreifende Reisen an und möchte diesen Erfolgskurs fortsetzen: „Derzeit sehen wir uns mögliche neue Verbindungen sehr genau an“, sagt Matthä. Und ergänzt optimistisch: „Wir sind überzeugt, dass es künftig noch mehr Nightjets auf Schiene geben wird.“

Ab nach Brüssel

Ab 19. Jänner verbindet der ÖBB Nightjet sonntags und mittwochs Wien und Innsbruck mit der „EU-Hauptstadt“ Brüssel. Ab Köln hält der Zug in Aachen, Liège und schließlich in der belgischen Metropole. Retour geht es montags und donnerstags. Der Zug bietet für Geschäftsleute und Touristen eine ökologische Alternative zum Fliegen.

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