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Zölibat-Debatte

Umstrittenes Buch: Benedikt will nicht mehr Co-Autor sein

Archivbild vom emeritierten Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2015.
Archivbild vom emeritierten Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2015.REUTERS

Die Unterschrift des emeritierten Papstes darf nicht unter Einleitung und Schlusswort des Buches abgedruckt werde. Der Text über den Zolibat bleibt aber unverändert.

Die schriftlichen Äußerungen des emeritierten Papstes Benedikts XVI. zum Thema Zölibat sorgen im Vatikan weiter für Wirbel. Von Opposition zum amtierenden Papst Franziskus war die Rede. Am Mittwoch sollte in Frankreich das Buch mit dem Titel "Des profondeurs de nos coeurs" ("Aus den Tiefen unserer Herzen") erscheinen, das Kardinal Robert Sarah nach eigenen Angaben gemeinsam mit Benedikt XVI. redigiert hatte. Nun beschloss der emeritierte Benedikt aber, sich von der Autorenschaft des Werks zu distanzieren. Allerdings hat das nicht mit dem Text über den Zölibat, sondern nur mit der Aufmachung des Buches zu tun. Kardinal Sarah sieht sich als Opfer einer Verleumdung.

Für den Ex-Papst wandte sich dessen Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein an die Öffentlichkeit. Er sagte der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag in Rom, er habe auf Bitten des emeritierten Papstes Kardinal Sarah Dienstagfrüh aufgefordert, dieser möge beim Verlag die Entfernung von Namen und Bild Benedikts XVI. vom Bucheinband veranlassen. Auch solle die Unterschrift Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen in dem Buch gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe. Der Beitrag mit dem Namen des Emeritus im Hauptteil sei allerdings "100 Prozent Benedikt", so Gänswein. Das Buch soll am Mittwoch vom französischen Verlag Fayard sowie im Februar auch in USA, Deutschland und Italien erscheinen.

Nicht vollständig informiert

Den Text über das Priestertum habe der emeritierte Papst im Sommer 2019 geschrieben, so Erzbischof Gänswein. Diesen habe Benedikt XVI. Sarah auf dessen Bitten zur freien Verfügung gegeben. Er habe auch gewusst, dass der Text in einem Buch erscheinen solle. Benedikt XVI. sei aber nicht über die tatsächliche Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen, so Gänswein.

Zuvor hatte sich der bekannt konservative Kurienkardinal Sarah gegen den Vorwurf gewehrt, ohne Zustimmung von Benedikt XVI. ein Buch zum Thema Zölibat verfasst zu haben. Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, erklärte sich am Dienstag per Twitter zum Opfer von "Verleumdung". "Ich verzeihe all jenen, die mich verleumden und die behaupten, ich sei in einem Konflikt mit Papst Franziskus", schrieb Sarah, der seine Treue zu Franziskus als "absolut" bezeichnete.

In einer auf Twitter veröffentlichten Presseaussendung berichtete der Kurienkardinal über die lange Serie von Treffen mit Benedikt XVI. zwischen dem 5. September und dem 3. Dezember 2019, die zur Entstehung des Buches geführt hatten. Sarah veröffentlichte per Twitter auch drei Briefe von Benedikt XVI., aus denen hervorgeht, dass der emeritierte Papst der Veröffentlichung seiner Gedanken zum Zölibat zugestimmt hat. Der Theologe aus Guinea gilt als Speerspitze der Konservativen und scheut auch nicht vor radikaleren Aussagen zurück.

„Inhalt Benedikts bleibt unverändert"

Nach der Stellungnahme Gänsweins erklärte sich Sarah damit einverstanden, dass Benedikt nicht mehr als Co-Autor des Buchs erscheint. "Der Inhalt von Benedikts Text bleibt absolut unverändert", twitterte der 74-Jährige.

Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück wendet sich indes kritisch gegen "alarmistische Stimmen", die eine Kirchenspaltung "herbeireden". Kirchenrechtlich sei daran zu erinnern, "dass die Äußerung von Benedikt XVI. Ausdruck seiner persönlichen Sorge um die Kirche ist", hielt Tück am Dienstag in einer Kathpress vorliegenden Stellungnahme fest. "Als solche mag sie symbolisch Gewicht haben, aber rechtlich hat sie als Stellungnahme des emeritierten Bischofs von Rom keinerlei Gewicht." Die Entscheidung über den weiteren Weg der Kirche "liegt bei Franziskus, dem amtierenden Papst", fügte Tück hinzu.

"Anstatt das Gespenst der Kirchenspaltung an die Wand zu malen und einen gezielten Affront gegen Franziskus zu wittern", lohne bei dem Thema ein "ruhiger Blick". Die Amazonien-Synode habe empfohlen, in Grenzregionen Ausnahmen vom Pflichtzölibat zuzulassen, erinnerte Tück. Es sei jedoch nicht so klar, wie Franziskus in der Frage des Zölibats insgesamt denke, verwies der Theologe auf mehrfache Äußerungen des Papstes, wonach es einen "optionalen Zölibat" mit ihm nicht geben werde.

(APA)