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Musikverein

Verdis Totenmesse, von Muti neu vermessen

Riccardo Muti (Archivbild).
Riccardo Muti (Archivbild).(c) APA/HANS PUNZ

In seiner Messa da Requiem fasste Verdi die Ängste und Zweifel eines modernen Menschen in Töne. Für ihre Interpretation in diesem Sinn wurden Muti und die Seinen mit Standing Ovations gefeiert.

Wenn Riccardo Muti und das Chicago Symphony Orchestra im Musikverein zusammen mit dem Wiener Singverein und prominenten Solisten das Verdi-Requiem interpretieren, dann wird das nicht nur zu einem von Gesangsaficionados und Orchesterconnaisseurs gleichermaßen bejubelten Ereignis, sondern kommt einer musikalischen Neuvermessung des viel gespielten Werks gleich – nach Länge, Breite und Höhe. Oder, genauer: in den mit Bedacht gewählten dynamischen Extremwerten, in nie verhetzten, aber auch nicht zerfließenden Tempi, im Auskosten von Übergängen und mit Ritardandi angesteuerten Kulminationspunkten sowie im Ausloten transzendentaler Einsamkeit. Wie das aus einer einzelnen menschlichen Kehle klingt, führt zuletzt Krassimira Stoyanova vor mit ihren in der Höhe perlmuttschimmernden, in der Tiefe klagenden, bangen Seelentönen des „Libera me“.