Wein&Co-Chef: Leute nicht für dumm verkaufen

WeinCoChef Leute nicht fuer
WeinCoChef Leute nicht fuer(c) FABRY Clemens
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Guter Wein ist in schlechten Zeiten ein krisensicheres Geschäft. Wein&Co-Chef Heinz Kammerer verrät im Gespräch mit der "Presse", warum er Erfolg hat, während Luxusrestaurants auf Diät gesetzt werden.

Alle schreien „Krise“ und Wein&Co baut aus. Am Freitag wurde ein Megastore in der SCS eröffnet, im Herbst folgt eine Riesenfiliale im neuen Gerngross in Wien. . .

Heinz Kammerer: ... und eine im Donauzentrum. Gleich neben dem Spar, damit der auch was zum Lachen hat.

Krise und Luxusartikel Wein passen nicht zusammen. Oder basiert Ihre Expansion auf dem Frustsaufen der Österreicher?

Das ist alles schon länger geplant. Schon vor der Krise. Und wenn ich einen guten Standort angeboten bekomme, muss ich dort einfach einen Wein& Co aufsperren.

Aber wenn Sie Pläne aus der Hochkonjunktur heute umsetzen, dann doch mit Bauchweh, oder?

Ich hätte auch noch zurückkönnen. Wir expandieren, weil das Unternehmen zu meiner eigenen Überraschung durch die Krise überhaupt keinen Schaden genommen hat. Ganz im Gegenteil. Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass Wein ein Luxusprodukt ist. Es ist auch ein Genussmittel und man muss ja nicht immer Weine um 100 Euro trinken. Wir habe natürlich die Preise gesenkt, so haben wir aber auch neue Kunden angesprochen.

Es wird also über die Krise gejammert, allerdings bei einem Gläschen Brunello.

Es gibt schon Betriebe, die in dieser Zeit Schaden nehmen. Etwa Luxusrestaurants, die nur teuer sind und nichts bieten. Und zudem herrscht sicher in der Bevölkerung die Stimmung: Wir lassen es uns zumindest in den kleinen Dingen gut gehen.

Also beim Essen und Trinken.

Ja, vielleicht gehen die Leute weniger oft ins Restaurant, dafür kochen sie sich selbst etwas Gutes. Davon profitieren wir.

Aber an die Wein&Co-Shops sind doch auch Restaurants angeschlossen. Die müssten doch merken, dass die Leute den Wein lieber zu Hause trinken?

Gerade unsere Gastronomie verzeichnete heuer die höchsten Zuwächse. Weil wir ums Geld viel bieten. Bei uns kann man den Wein zum Shop-Preis zum Essen bestellen. Und man kann auch Kleinigkeiten haben. Quasi „Austro-Tapas“. Die Leute agieren generell kostenbewusster.

Dann müsste doch bei Wein&Co der Umsatz sinken?

Das ist jetzt polemisch von Ihnen. Wir haben unser Segment im Preis-Leistungs-Verhältnis stark verbreitet. Bei uns gibt es Weine ab vier Euro. Wir betreiben eine durchaus aggressive Aktionspolitik.

Sehr zur Freude Ihrer Lieferanten.

Durchaus mithilfe unserer Lieferanten, die durch den Aderlass in der Gastronomie und beim Export etwas kooperativer geworden sind. Ich kann nur eines sagen: Wir haben heuer eine Umsatz- und Gewinnsteigerung von zehn Prozent.

Kaufen bei Wein&Co vorwiegend Weinkenner ein?

Nicht unbedingt. Wir wissen etwa, dass 40 Prozent unserer Kunden Geschenke einkaufen. Die kennen sich gar nicht aus beim Wein, sondern wollen nur für jemanden, der sich auskennt, ein Geschenk haben.

Und diese Kunden kaufen vor allem bekannte Namen.

Ja, der Großteil kauft, was er kennt und was man kennt. Aber es gibt auch den Schäppchenjäger. Und zwar auf allen Ebenen. Auch jenen, der schaut, wo es den günstigsten Petrus gibt.

Ist der österreichische Wein generell zu teuer. Orten Sie da ein Preis-Leistungs-Problem?

Absolut. Bei den ganz großen Namen wie etwa F. X. Pichler, Knoll, Hirtzberger, Polz noch nicht. Ich sage: noch nicht. Obwohl wir sehen, dass es vermehrt Widerstände gibt, einen Smaragd um 60 Euro zu kaufen. Da wird die Luft dünner.

Für wen wird sie dünner?

Für Produzenten, die noch nicht besonders berühmt sind, aber glauben, Preise wie ein F. X. Pichler erzielen zu können. Die müssen aufpassen.

Werden die Weinpreise sinken?

Ich glaube schon. Denn ein Merkmal der Krise ist, dass sich die Leute nicht mehr für dumm verkaufen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2010)

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