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Wenn Kinder leiden

Das Wiener Gesundheitssystem hat die Probleme in der Kinderpsychiatrie jahrelang ignoriert.

Die Schwächsten trifft es am härtesten. Das ist eine bittere Erkenntnis, die aktuell auf das Wiener Gesundheitssystem zutrifft. Es geht um die psychiatrische Versorgung von Kindern. Also um Missstände in einem Bereich, der zusätzlich mit Vorurteilen, Tabus und oft auch Unverständnis behaftet ist.

Der Stadtrechnungshof Wien hat in einem Prüfbericht nun eine dramatische Unterversorgung von psychisch kranken Kindern aufgezeigt. 2015 gab es 64 Betten für die Versorgung dieser Kinder – das war weniger als die Hälfte des absoluten Minimums von 144 Betten. Bis 2018 (das ist der untersuchte Zeitraum) kam kein einziges Bett dazu, gleichzeitig stieg der Bedarf weiter. Aus Platzmangel wurden Kinder oft in einer Erwachsenenpsychiatrie untergebracht – wo sie zusätzlich gefährdet waren und oft keine adäquate Therapie erhielten, wie die Prüfer festhalten.

Jahrelang hat die Wiener Politik, konkret Wiener Gesundheitsstadträtinnen und Stadträte das Problem ignoriert – während das engagierte Personal der Stationen auf die Missstände aufmerksam machte. Die Reaktion der Politik? Null – handelt es sich doch um eine Gruppe ohne große Lobby.

Das ist doppelt bitter für die betroffen Kinder. Viele haben einen langen Leidensweg hinter sich, bis die Krankheit einmal diagnostiziert ist. Ist sie diagnostiziert, heißt es: Bitte warten bis ein Platz frei ist! Oder Kinder werden eben auf Erwachsenenstationen eingewiesen.

Eine kleine Erhöhung der Betten in der Zwischenzeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch lange dauern wird, die Fehler der Vergangenheit zu beseitigen.