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Religion

Kirchenaustritte in Österreich um 14,9 Prozent gestiegen

2019 gab es 4,98 Millionen Katholiken in Österreich.
2019 gab es 4,98 Millionen Katholiken in Österreich.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Als Gründe werden Missbrauchsfälle und die Vorwürfe gegen den einstigen Klagenfurter Bischof Alois Schwarz vermutet. Denn besonders in Kärnten waren die Austritte hoch.

Wien. Die Zahl der Kirchenaustritte ist im vergangenen Jahr um 14,9 Prozent gestiegen. In absoluten Zahlen traten laut vorläufigen Daten der Bischofskonferenz 67.583 Personen im vergangenen Jahr aus der römisch-katholischen Kirche aus. 2018 waren es laut amtlicher Statistik 58.807, berichtete "Kathpress" am Mittwoch. Als Gründe werden Missbrauchsfälle und die Vorwürfe gegen den einstigen Klagenfurter Bischof Alois Schwarz vermutet.

Ende 2018 gab es noch 5,05 Millionen Katholiken in Österreich, 2019 waren es demnach nur mehr 4,98 Millionen.  Das entspricht einem Rückgang von 1,35 Prozent. Die Diözesen meldeten dabei unterschiedlich stark akzentuierte Entwicklungen. In einigen gab es moderate Anstiege bei den Kirchenaustrittszahlen, bei anderen waren die Anstiege deutlicher ausgeprägt, wie etwa in Kärnten.

Historischer Stand an Austritten 2010

Vergleicht man die Austritte mit jenen der Jahre zuvor, ist diesmal ein überdurchschnittlich starker Anstieg zu verzeichnen. 2018 betrug dieser 8,7 Prozent, 53.698 Menschen verließen damals die Kirche. Einen historischen Höchststand gab es 2010 mit 85.960 Austritten. Dies war zu einem Gutteil auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im kirchlichen Bereich zurückzuführen.

Ein Blick auf Kärnten lässt den Rückschluss zu, dass auch die Causa Schwarz einen wesentlichen Beitrag zu der hohen Austrittszahl geleistet hat. So sind dort übers Jahr laut Diözese 5815 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, das sind 1,6 Prozent. Auffällig waren Spitzen in den ersten drei Monaten des Jahres sowie im Juli. Dafür gab es im Dezember einen Rückgang bei den Austritten von fast 30 Prozent.

„Ereignisse von außen“ führten zu Austritten

"Eine Analyse der Zahlen hat ergeben, dass es drei markante Ereignisse gegeben hat, die sich auf den Verlauf ausgewirkt haben", sagte Diözesanökonom Burkhard Kronawetter am Mittwoch. Im ersten Quartal, als die päpstliche Visitation durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner stattfand, gab es einen sprunghaften Anstieg der Austrittszahlen. Im Juli habe die Absetzung von Engelbert Guggenberger als Diözesanadministrator erneut zu einem markanten Anstieg geführt. Der starke Rückgang im Dezember dürfte, so Kronawetter, wohl auf die Ernennung von Josef Marketz zum neuen Diözesanbischof zurückzuführen sein. Kronawetter: "Es sind also Ereignisse von außen, die von uns nicht beeinflussbar waren, die zu den Austritten geführt haben."

Kirche muss sparen

Der Aderlass macht sich auch bei den Einnahmen bemerkbar. Zwar liegen die konkreten Zahlen noch nicht vor, der erwartbare Rückgang bei den Kirchenbeiträgen zwinge die Kirche jedoch dazu, zu sparen. Der größte Brocken bei den Kosten sei das Personal, meinte Kronawetter. Hier gebe es bereits Maßnahmen, bei Nachbesetzungen sei man sehr zurückhaltend.

In der Diözese hofft man nun darauf, dass mit der Weihe von Marketz zum neuen Diözesanbischof ein wenig Ruhe einkehrt. Die Bischofsweihe findet am 2. Februar im Klagenfurter Dom statt. Vornehmen wird sie Erzbischof Lackner, Kardinal Christoph Schönborn hat sein Kommen angekündigt. Laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" wird auch Marketz' Vor-Vorgänger Egon Kapellari nach Klagenfurt kommen, Alois Schwarz hingegen dürfte der Weihe seines Nachfolgers fernbleiben.

(APA)