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Tanz

Brüllen vor Lachen: Alessandro Sciarroni im Tanzquartier

In Alessandro Sciarronis "Augusto" wird viel gelacht.Alice Brazzit
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Alessandro Sciarroni zeigt im Tanzquartier „Augusto“. Ein Stück übers Lachen, das einem manchmal auch im Hals stecken bleibt.

Wer hat nicht schon in einem unpassenden Moment gelacht? Oder sich in einer heiklen Situation zwischen Weinen, Schreien oder Lachen für letzteres entschieden. Weil es, auch wenn's gerade weh tut, heilsam ist. Selten jedenfalls wird auf der Bühne so viel gelacht wie bei Alessandro Sciarroni und seinem Stück „Augusto“. Hier tanzt das Zwerchfell, der Kehlkopf, denn schon wenige Minuten nachdem einer der Protagonisten begonnen hat, die Bühne immer wieder kreisförmit zu umrunden, gehen, laufen, toben alle Tänzerinnen und Tänzer über die Fläche, kichern, glucksen, lachen leise oder lauthals und versprühen eine fröhliche Energie, die dann auch immer wieder an der Kippe steht. Ein Lachen, das kann einem auch im Hals stecken bleiben.

Über das Bedürfnis, geliebt zu werden

Es muss anstrengend sein, eine knappe Stunde lang durchzulachen. Es ist ansteckend, dabei zuzusehen. Aber auch anstrengend. Und man weiß mitunter dieses Lachen nicht zu deuten - war das belustigt oder verunsichert? War es zu laut? Hat da jemand seinen Schmerz herausgelacht? Es sind so viele Facetten, die sich nur durch feine Trennlinien, einen leichten Unterton, einen flüchtigen Blick unterscheiden. Sciarroni setzt das Lachen ein. Bewusst. Gekonnt. Es sei ein Stück über das menschliche Bedürfnis, geliebt zu werden. Und eine Hommage an den dummen August (Augusto), den Loser, der nich taufhören kann zu lachen, selbst wenn es gar nichts zu lachen gibt.

2019 wurde Sciarroni auf der Tanzbiennale Vendig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er interessiere sich für die Obsessonen, die Ängste und die Fragilität des Perfordermers auf der Bühne, heißt es im Pressetext. Er treibe sie „bis an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit“. Auch in diesem Stück.

"Augusto“ von Alessandro Sciarroni: 17. und 18.1., 19.30 Uhr, Tanzquartier, Halle G