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Geliebt und gehasst: Der Erfinder der Vuvuzela

(c) REUTERS (CHRISTIAN CHARISIUS)
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Vor 15 Jahren hatte Neil van Schalkwyk eine Idee. Heute beschäftigt er 100 Leute, ist Millionär und plant bereits für 2014. Der Jahresumsatz dürfte heuer erstmals 20 Mio. Euro übersteigen.

Johannesburg. Als Fußballer hatte Neil van Schalkwyk nicht das Zeug zum Superstar. Mäßig erfolgreich kickte der Südafrikaner in den 1990er-Jahren für Santos Football. Das Team aus Kapstadt stand meist am Tabellenende. Van Schalkwyk spielte in der „Reserve“. Selbst da gehörte er nicht immer zur Stammformation. Doch ein „Abstauber“ im Jahr 1995 sollte sein Leben für immer verändern.

Als der gelernte Verteidiger gegen Battswood zum Ausgleich traf, hörte er aus dem Jubel der paar hundert Fans eine Trompete heraus. „Da dachte ich: Das müsste großartig klingen, wenn im Stadion alle Anhänger in so ein Ding blasen“, sagt van Schalkwyk.

Wie das klingt, das können Fußballfans aktuell täglich hören. Van Schalkwyk gelang es, dass Instrument bei den Massen salonfähig zu machen. Bei jedem WM-Spiel blasen tausende Besucher in ihre Vuvuzelas. Das Patent auf das Instrument hat sich van Schalkwyk gesichert. Der einst erfolglose Verteidiger ist nun ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Weil ihm seine Fußballkünste nicht genug Geld einbrachten, arbeitete der Südafrikaner 1995 nebenbei in einer Fabrik, die Plastikbehälter herstellte. „Das gab mir die Chance, zu experimentieren“, sagt van Schalkwyk. „Trompeten sind nämlich zu teuer und schwer ins Stadion mitzunehmen. Deshalb wollte ich so ein Ding aus Plastik herstellen.“

 

20 Millionen Euro Jahresumsatz

Es gelang, allerdings blieb zunächst der wirtschaftliche Erfolg aus. Im ersten Jahr verkaufte van Schalkwyk gerade mal 500 Vuvuzelas. Der Durchbruch gelang 2001, als ein südafrikanischer Getränkehersteller 20.000 der Instrument aus Plastik für eine Werbeaktion bestellte. „Das war meine Chance. Plötzlich wusste jeder, was eine Vuvuzela ist.“

Heute beschäftigt van Schalkwyk 100 Menschen. Seine Firma Masincedane Sport verkaufte seit Jahresbeginn 1,5 Millionen Vuvuzelas zum Preis von umgerechnet fünf bis 20 Euro. Der Jahresumsatz dürfte heuer erstmals 20 Mio. Euro übersteigen. „Es ist ein tolles Gefühl, ein Spiel zu sehen und unsere Vuvuzelas zu hören“, meint der Geschäftsmann.

Die Kritik vieler Europäer, wonach der Lärm unerträglich sei, lässt van Schalkwyk kalt. „Die Vuvuzela ist ein Kulturgut. Es tut mir leid, wenn sich Besucher gestört fühlen. Aber sie müssen das akzeptieren.“ Fifa-Chef Joseph Blatter sieht das ähnlich. Er schloss aus, Vuvuzelas zu verbieten. Der Lärm wird den Fans bis zum Ende des Turniers erhalten bleiben.

 

Vuvuzelas 2014 in Brasilien?

Doch es könnte noch schlimmer oder, je nach Sichtweise, besser kommen. Van Schalkwyk bestätigt mehrere Anfragen von brasilianischen Firmen. Die Südamerikaner werden die WM 2014 austragen. Dem Unternehmer schwebt ein teilweiser Verkauf des Patents vor.

In Russland etwa hat van Schalkwyk die Rechte zum Verkauf an ein lokales Unternehmen abgetreten. Für jede Vuvuzela, die über den Ladentisch geht, erhält er einen Prozentsatz des Verkaufspreises. „So möchte ich das auch in Brasilien machen. Es wäre wunderbar, wenn wir 2014 Vuvuzelas in den Stadien hören würden.“

ZUR PERSON

Neil van Schalkwyk gilt als Erfinder der Vuvuzela. Der 37 Jahre alte Südafrikaner sicherte sich das Patent auf das Instrument. Derzeit verhandelt er mit brasilianischen Firmen. Er will die Vuvuzela auch 2014 zur WM in die Stadien bringen. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2010)