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Nachhaltiger Luxustourismus

Malediven: Insel guten Gewissens

Barfußluxus. Eine Insel, ein Resort: Soneva Fushi auf Kunfunadhoo.
Barfußluxus. Eine Insel, ein Resort: Soneva Fushi auf Kunfunadhoo.(c) Sovena
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Malediven und ein Vorzeigeeiland in Sachen Nachhaltigkeit: Luxusurlaub mit Mülltrennung und Korallenaufzucht.

Über Langstreckenflüge, etwa zu den Malediven, machen sich Reisende heute Gedanken, weil sie die Umwelt damit belasten. Durch Kerosinverbrauch und Müll, der im kleinflächigen Inselreich besonders mühsam abbaubar ist, wenn überhaupt. Bereits an vielen Destinationen (nicht nur auf den Malediven) laufen nachhaltige Aktionen. Und in vielen Resorts wird versucht, tatsächlich naturnahen, umweltverträglichen, zukunftsverantwortlichen Luxus zu bieten, ein nicht immer einfacher Spagat zwischen Bequemlichkeit, Kosten und Möglichkeiten.

Soneva Fushi ist so ein Atoll, das sich als Vorreiter eines nachhaltigen Luxustourismus definiert. „Intelligenter Luxus" ist ein Stichwort, „Slow Life" ein weiteres. Und „Barefoot Luxury" ein zusätzlicher Versuch, Gäste zu „erden", ihnen symbolisch Naturnähe zu vermitteln: Sobald man mit dem Wasserflugzeug und Boot landet, werden einem die Schuhe abgenommen, erst beim Abschied zieht man sie wieder an. Bis dahin wühlt man sich mit den Zehen durch den Sand und trappelt bloßfüßig über die Wege, die sich durch den Dschungel schlängeln, zu den Restaurants, Shops oder zur Ayurveda-Massage.

Milchstraße. Kaum Lichtverschmutzung – so lässt sich in die Sterne schauen.
Milchstraße. Kaum Lichtverschmutzung – so lässt sich in die Sterne schauen.(c) Sovena

Der Tourismus auf Kunfunadhoo, wie die Insel eigentlich heißt, hat 1995 begonnen, als Sonu Shivdasani und seine Frau Eva sie zu einem Resort ausbauten. Die beiden können heute drei Inselresorts präsentieren, eines in Thailand, zwei auf den Malediven. Auch Soneva Aqua, eine luxuriöse Jacht, wird als „Resort" angeboten. Viele lokale Materialien wurden für den Bau der Villen mit Salzwasserpools verwendet, ebenso fürs Dekor. Die Bettwäsche ist aus ungebleichter Baumwolle gewebt, Shampoos und Seife stellt man in Keramikflaschen zur Verfügung – in Freiluftbadezimmern, wo man sich zu Palmenrauschen unter Sternenhimmel duscht.

Aber man geht noch weiter: Man baut möglichst viele Gemüse und Kräuter in den Bio-Gärten der Insel an, experimentiert mit Kompostierungen und Böden, wie Sägespänen, auf denen Austernpilze oder Champignons wachsen. Möglichst geringe Lichtverschmutzung (was einer Sternwarte auf Soneva Fushi zugutekommt) spart auch Strom. Es gibt Dosha-inspirierte Menüs, zusammengestellt vom Ayurvedaberater. Rindfleisch, besonders umweltbelastend, gibt es nur auf ganz spezielles Verlangen, aber dafür einen gläsernen Kühlraum mit Eis- und Schokoladebuffet und einen zweiten für Salate. Sie sind Teil des Restaurants „Out of the Blue", wo man auch ins Wasser rutschen oder auf Segeltuchliegen überm Meer schweben kann. Dort – und in den zwei anderen Restaurants – kann man, wenn man daran glaubt, „belebtes Wasser" bestellen, das mit klassischer Musik beschallt und mit Quarzen „vitalisiert" wurde, einen Krug voll um interessante 15 Dollar.

Gemüseanbau. Einige Pflanzen hat das Resort im Repertoire. Gut für die Küche.
Gemüseanbau. Einige Pflanzen hat das Resort im Repertoire. Gut für die Küche.(c) Sovena/Julia Neeson

Intensives Recycling. Wie ja dieser Naturluxus nicht gerade billig ist, Flug nach Male und Transport mit Wasserflugzeug und Boot gar nicht erst eingerechnet. Aber hier werde, wird immer wieder versichert, der Lebensstil, die Achtsamkeit der wohlhabenden Gäste positiv beeinflusst, die als Vorbild im heimatlichen Umfeld aktiv werden. Um das Gewissen der Anreisenden zu kalmieren, wird jährlich eine Umweltbilanz erstellt, die Soneva Fushi als CO2-neutral ausweist, Emissionen durch Luftverkehr und Produktimporte mitgerechnet. Dazu tragen auch Solarpanels, ein Energierückgewinnungssystem bei der Meerwasserentsalzung und ein umfassendes Abfallkonzept bei: Glas wird in einer Glasbläserei (kann man hier übrigens lernen) eingeschmolzen, zu Gebrauchsgeschirr geformt oder für Baustoff granuliert. Geeignete Küchenabfälle (800 Kilo täglich) werden kompostiert, eingeschmolzenes Dosenaluminium wird zu Türknäufen. Und die vielen Kokosnüsse lassen sich nicht nur zu Öl (700 Kokosnüsse ergeben 30  Liter) und Kokosette verarbeiten, die Schalen werden zu Holzkohle, die Fasern als Kopra zu Gewächstöpfen oder als Sisal zu Stricken verarbeitet.

Weil die Korallenbleiche böse Spuren hinterlässt – verheerend waren die Jahre 1998, 2010 und 2016, der Strand ist von kaputten Korallenstückchen übersät, die Meeresfauna höchst dürftig –, will man hier nicht untätig zusehen und arbeitet mit einer Meeresbiologin, die meist von zwei Studenten unterstützt wird, an der Aufzucht von Korallen in eigenen Coral Nurseries. Langsam, langsam scheint sich das Riff zu erholen, 80 Prozent der schon sehr verminderten Schildkrötenpopulation grasen wieder an Algen, auch die Fischpopulation wirkt vielfältig, einige Exemplare erreichen stattliche Größe dank der strengen Fischereiauflagen (und des Verbots der grausamen Dynamitfischerei). Das alles ist natürlich nur mit Hilfe der maledivischen Regierung möglich, die in einer schriftlichen Vereinbarung das Hausriff zum Meeresschutzgebiet erklärt hat.

Das Hausriff wurde zum Schutzgebiet erklärt.
Das Hausriff wurde zum Schutzgebiet erklärt.(c) Sovena

Diese „Taktik" zeigt übrigens auch anderswo Erfolge. Auf den Seychellen etwa hat man mit der Umweltorganisation The Nature Conservancy zuletzt 400.000 Quadratkilometer Küstenstreifen zu Schutz- und Regenerationsgebieten erklärt: Die Schulden des Landes wurden durch Fonds vermindert, die ersparten Zinsen kamen der Riff- und Mangrovenerhaltung und Fischern zu. Diese lernen das arterhaltende Fischen – eine Win-win-Situation, die zudem die wichtigste Einnahmequelle, den Tourismus, auf intelligente Weise fördert. Dafür sind jedoch nicht nur Förderungsmittel, sondern ist auch die Mitarbeit von Regierung und Bevölkerung nötig.

Überzeugungsarbeit. So rechnet man den Fischern vor, dass ein Manta Ray, der ihnen einmalig 500 Dollar bringen kann, während seiner Lebenszeit eine Million Dollar für den Tourismus, für anreisende Taucher und Schnorchler „erarbeitet". Auch wenn das schwer zu beweisen ist, ein Denkanstoß ist das allemal. Wie auch die vielen Schulungen, die mit der Parley Ocean School die Kinder der 200 einheimischen Malediven-Inseln (weitere 100 sind Hotelinseln) mit der Unterwasserwelt, ihren Problemen und Möglichkeiten vertraut machen. Dort wird ihnen Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen beigebracht, in Plastic-Free-Workshops wird ihnen der Schaden an ihrer Heimat durch gedankenloses Müllen bewusst. Oder in „Clear up with the Community", bei der sich die Inselschulen immer wieder begeistert matchen. 100.000 Kinder konnte man bisher betreuen und damit auch Eltern für Nachhaltigkeit begeistern. Soneva Fushi ist an dem Projekt beteiligt, wie auch am Baa-Atoll-Unesco-Biosphären-Reservat-Fund.

Und so sitzt man abends bei Kerzenlicht und ayurvedischen Smoothies, umwuselt von freundlichen „Hosts". Südostasiatische Küche wird kredenzt, belebt durch interessante Versuche wie Fermentieren, Pökeln oder Räuchern von Obst und Gemüse. Man blickt auf ein Meer, warm und glitzernd, das auf mehr Luxusreisende hofft, die es schonend und pfleglich behandeln.

Infos

Inselresort: Biosphärenreservat Soneva Fushi auf der Insel Kunfunadhoo im Baa-Atoll. Verschiedene Villen. Aktivitäten: Schnorcheln mit Mantas, Delfin-Cruises, Sterne beobachten, Glasblasen, Gemüsegarten, Dinner auf einer entfernten Sandbank, Ayurveda-Massage, Yoga, Abenteuerwelt für Kinder. www.soneva.com/soneva-fushi/experiences/

Nachhaltig: Mehr über TNC (The Nature Conservancy) auf den Seychellen auf: www.ted.com

Mehr über die Parley Ocean School, www.parley.tv/updates/parleyoceanschool

Compliance: Die Reise erfolgte auf Einladung von Soneva.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 17.01.2020)