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Energiesparen

Mit Grips, Rollo und Durchflussbegrenzer

Mit der richtigen Dämmung lassen sich bis zu 70 Prozent an Heizkosten sparen.
Mit der richtigen Dämmung lassen sich bis zu 70 Prozent an Heizkosten sparen.(c) Getty Images/iStockphoto (archideaphoto)
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Wie kann man durch smartes Wohnen Umwelt und Geldbörsel entlasten? Mögliche Maßnahmen reichen von der Gebäudesanierung bis zu einfachen Tricks im Alltag. Experten warnen jedoch vor dem „Rebound-Effekt“

Energiesparen ja – doch wo fängt man an? Am besten in den eigenen vier Wänden, sagen die Experten. Laut Wiener Umweltberatung könnte der durchschnittliche österreichische Haushalt pro Jahr rund 200 Euro Energiekosten weniger zahlen.
Am meisten ist beim Heizen drin, denn allein das verbraucht laut E-Control rund 72 Prozent der Haushaltsenergie. „Das Heizsystem beispielsweise von Öl auf erneuerbare Quellen umstellen, ist zwar nachhaltig und reduziert den Schadstoffausstoß, nicht aber den Energieverbrauch“, räumt Stefan Hammer von der Energieberatung Graz mit einem Irrtum auf. „Voraussetzung für einen niedrigen Verbrauch ist ein nach neuesten Richtlinien erstellter Neubau oder ein thermisch saniertes Bestandsgebäude.“ Zu einer umfassenden Sanierung zählen sowohl ein Fenstertausch als auch eine Dämmung der Fassade, wobei nicht nur die Außenwände, sondern auch Kellerdecke und oberste Geschoßdecke berücksichtigt werden müssen. „Damit lässt sich der Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent verringern, zahlt sich also, zumal es Förderungen gibt, auf lange Sicht aus“, rechnet der Experte vor. Die nächste Überlegung erst gelte dem Heizsystem. „Wärmepumpen etwa machen nur in Verbindung mit einer Flächenheizung Sinn, da sonst der Energieverbrauch wieder steigt.“


Außenverschattungen


Was angesichts des Klimawandels immer mehr zum Thema wird, ist die Kühlung der Wohnung. Großzügige Glasfronten setzen zwar architektonische Highlights, können aber bei Sonneneinstrahlung im Sommer die Luft im Inneren bis zur Unerträglichkeit erhitzen. Klimaanlagen sind wahre Energiefresser, ein idealer Schutz sind Außenverschattungen. Deren Anbringung wird daher seit Jahresbeginn von der Stadt Wien gefördert.
Beton als Baustoff wirkt übrigens wie Ziegel temperaturregulierend: Er speichert Wärme, kann daher im Sommer zur Kühlung beitragen, indem er der Raumluft Hitze entzieht, und gibt im Winter Heizwärme wieder ab, sodass man unter Umständen ein paar Tage lang gar nicht heizen muss, erklärt Andrea Kuster von Future Is Now in Salzburg.
Was in den Haushalten am zweitmeisten Energie benötigt, sind elektrische Geräte. „Da beginnt das Energiesparen schon beim Kauf“, sagt Sabine Seidl von der Umweltberatung in Wien. „Erstens ist zu überlegen, ob man ein groß dimensioniertes Gerät, das mehr Strom benötigt als ein kleineres, wirklich braucht, und zweitens lohnt sich ein vergleichender Blick auf das Energieeffizienz-Label, das auf allen Großgeräten angebracht sein muss.“


Nachlässigkeit und Stand-By


Die Expertin warnt jedoch vor dem Rebound-Effekt: „Wer weiß, dass er ein energiesparendes Gerät besitzt, neigt zur nachlässigen Benützung. Da wird zum Beispiel die Kühlschranktüre länger als nötig offen gelassen oder das LED-Licht beim Verlassen eines Zimmers nicht abgedreht, weil es ,ja eh kaum was ausmacht'. Aber das summiert sich und der Spareffekt wird ins Gegenteil verkehrt.“ Das gilt übrigens auch für den Standby-Betrieb, vor allem bei der Unterhaltungselektronik. Die sich ständig verbessernde Technik sorgt zwar dafür, dass Standby heute weniger Strom benötigt als noch vor einigen Jahren (eine Woche Standby entspricht bei einem Fernsehgerät etwa einer Stunde Betrieb), aber auch hier gilt: Auf lange Sicht kommt ganz schön was zusammen.


An dritter Stelle in der Liste der großen Energieverbraucher im Haushalt steht die Warmwasseraufbereitung. Hier lässt es sich ohne große Investitionen sparen. Tipp der Experten: Warmwasser beim Zähneputzen oder Rasieren nicht rinnen lassen, bei der Waschmaschine das Sparprogramm verwenden. Seidl weist auf Durchflussbegrenzer hin, die man in der Dusche einbauen kann: Sie vermengen das Wasser mit Luft, sodass „man das Gefühl hat, dass ein dichter Strahl kommt, tatsächlich aber bis um die Hälfte weniger Wasser verwendet wird“.
Der durchschnittliche Energieverbrauch in Österreichs Haushalten ist übrigens im Steigen, zeigen die Aufzeichnungen von Statistik Austria – um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nicht eingerechnet ist der Energieverbrauch durch Internet-Streams. Ein einstündiger Film in HD-Qualität benötige durch die Datenmenge so viel Energie wie ein Auto auf einer Fahrstrecke von mehreren hundert Metern, errechneten kürzlich Schweizer Wissenschafter.

Tipps

Kurzlebiges vermeiden. Energieexperten achten auf den gesamten Lebenszyklus eines Geräts. In der Herstellung eines Handys etwa steckt mehr Energie, als es später verbrauchen wird. Geräte sollten so lange wie möglich verwendet werden. LED-Leuchten sollten austauschbar sein, sodass man nicht die ganze Lampe entsorgen muss, wenn ein Licht kaputt geht.

Energiefresser kennen. Achtung: Einhand-Mischhebel. Ist der Hebel nicht völlig auf kalt gestellt, rinnt ständig Warmwasser mit – und das kann sich summieren. Die Wiener Umweltberatung rät: Wäschewaschen mit 30 Grad und Geschirrspülen mit 50 Grad (voll beladen) spart viel Energie gegenüber höheren Temperaturen. Eine Wäscheleine ersetzt den Trockner.

Nutzen maximieren. Rund 50 Prozent Energie lässt sich beim Umgang mit Lebensmitteln sparen: Kühlschrank (fünf bis sieben Grad) nur kurz öffnen und regelmäßig abtauen (Eisbildung erhöht Stromverbrauch). Abgekühlte Speisen einstellen. Beim Kochen verpuffen 30 Prozent der Energie, ist die Platte größer als der Topf. Platte früh ausschalten, mit Restwärme fertig kochen.

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