Mitreden

Organspende: Ausweis oder Widerspruchslösung?

Gesundheitsminister Jens Spahn hat in Deutschland eine Debatte über Organspenden losgetreten. Eine Widerspruchslösung, wie es sie auch in Österreich gibt, wurde im Bundestag mit großer Merheit abgelehnt. Warum eigentlich? Diskutieren Sie mit!

Das war's also für den Vorstoß von Jens Spahn (CDU): In Deutschland sind Organspenden weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung, also einem Organspende-Ausweis erlaubt. Wie unser Korrespondent Jürgen Streihammer berichtet, wurde Spahns Gesetzesentwurf im deutschen Bundestag abgelehnt. Überraschend ist das, weil es gute Gründe für die sogenannte Widerspruchslösung gibt: Einerseits gibt es einen massiven Mangel an Spenderorganen, andererseits eine hohe Bereitschaft zu spenden (84 Prozent). Dennoch haben nur rund 40 Prozent einen Organspende-Ausweis.

Die Widerspruchslösung ist ein gängiges Modell, um diese Diskrepanz zu vermeiden: Wer seine Organe nicht spenden will, muss aktiv werden - und nicht umgekehrt. So ist es in Österreich und in zahlreichen anderen EU-Ländern. In Deutschland geht man weiter einen anderen Weg. Einzige Änderung: Man will künftig hartnäckiger daran erinnern, dass es einen Organspende-Ausweis gibt, etwa bei der Ausweisstelle oder beim Hausarzt.

In Österreich wird zwar auch immer wieder über Organspenden debattiert, allerdings selten über die Widerspruchslösung.

„Presse"-Querschreiberin Gudula Walterskirchen meinte vor einiger Zeit, dass genau darüber mehr diskutiert werden müsste. Selbst wenn die Spendenbereitschaft dann zurückgehen würde. In ihrer Kolumne schrieb sie: „Organspenden sind in Österreich gesetzlich klar geregelt. Die Praxis sieht allerdings anders aus. Eine öffentliche Debatte darüber gab es bisher nicht.“ Walterskirchen fragt sich unter anderem, ob die Zustimmung von Angehörigen notwendig sei.

Was Menschen alles unternehmen, um an ein Spenderorgan zu kommen - und warum der illegale Organhandel blüht, das erklärte übrigens der deutsche Journalist Willi Germund sehr anschaulich, der ein Buch und vor einigen Jahren auch einen „Presse"-Text zum Thema schrieb: „Niere gegen Geld. Wie ich mir auf dem internationalen Markt ein Organ kaufte“

(sk)

Diskutieren Sie mit: Sind Sie zufrieden mit der Widerspruchslösung? Oder sollte es auch in Österreich eine Debatte geben? Was ist gerecht für Spender und Empfänger? Und: Würden Sie Ihre Organe spenden?