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Gesundheit

Böhler-Spital wird Ambulanzzentrum

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Das Böhler-Spital soll zu Wiens größter Ambulanz entwickelt werden (Archivbild).(c) FABRY Clemens
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Der Schwerpunkt soll auf der Behandlung von Unfallopfern liegen. Der restliche Betrieb wandert im Zuge einer Kooperationsvereinbarung ins Donauspital.

Wien. Das Lorenz-Böhler-Spital soll zu einem Zentrum für ambulante Erstversorgung werden und hauptsächlich Unfallopfer behandeln. Das geht aus einer Vereinbarung zwischen der Stadt Wien und der AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) hervor, die am Donnerstag präsentiert wurde.

Darin wurden auch weitere Pläne für eine Zusammenarbeit der Gemeindespitäler und der beiden AUVA-Anstalten angekündigt. Laut Aussendung werden zwei große „Gesundheitsbrücken“ zwischen AUVA und Krankenanstaltenverbund geschaffen. Im Süden der Stadt sind das Unfallkrankenhaus in Meidling und das Kaiser-Franz-Josef-Spital in Favoriten Kooperationspartner. Im Norden werden das Lorenz-Böhler-Spital in der Brigittenau und das städtische Donauspital näher zusammengeführt.

Das Böhler-Spital soll damit zu Wiens größter Ambulanz entwickelt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Unfallopfern, könne aber bei Bedarf um andere medizinische Notfälle ausgeweitet werden. Zudem soll es dort Beobachtungs-, Pflege- und Remobilisationsbetten geben. Der restliche Spitalsbetrieb, also die klassische chirurgische Versorgung, wandert ins Donauspital.

 

Austausch von Leistungen

Zwischen den Standorten Meidling und Favoriten sollen künftig zumindest verstärkt Leistungen ausgetauscht werden. Auch Kooperationen unter anderem beim Blutmanagement, bei der Anstaltsapotheke sowie in der Ausbildung werden angestrebt. Eine bestehende Zusammenarbeit zwischen den AUVA-Häusern und dem AKH soll fortgeführt werden.
Die Vereinbarung wurde von Bürgermeister Michael Ludwig und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (beide SPÖ) sowie Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck und AUVA-Obmann Mario Watz unterzeichnet. In den kommenden Monaten werden die Kooperationspartner in Arbeitsgruppen operative Details erarbeiten.

Die geplante engere Zusammenarbeit zwischen den Wiener Gemeindespitälern und der AUVA hatte Mitte Dezember für Aufregung in der Belegschaft gesorgt („Die Presse“ berichtete), da in einem E-Mail der Generaldirektion die Rede davon war, die Möglichkeit der Führung des Böhler-Spitals als Zentrum für ambulante Erstversorgung „zu prüfen“.

Seither gibt es die Befürchtung, das Böhler-Spital könnte zerschlagen und geschlossen werden. Selbst wenn das Krankenhaus nicht schließen sollte, würden durch die Auslagerungen über Jahre erarbeitete Kompetenzen wie etwa in der Hand- und Rekonstruktionschirurgie verloren gehen. Davon seien nicht nur die Patienten betroffen, sondern auch junge Ärzte, denen Ausbildungsmöglichkeiten genommen würden.

Das Böhler-Spital versorgt ein Viertel der Wiener Bevölkerung – wie auch das Spital Meidling. Die zwei Häuser sind die einzigen Unfallkrankenhäuser (mit rund 140.000 Patienten pro Jahr) in Wien. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2020)